"Wir allein entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist." - Elbenbrosche in Edoras, eigenes Foto, 2005
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Mittwoch, 7. Oktober 2009, 20:10

Spaß mit CD-Brennprogrammen

Bis vor ein paar Jahren habe ich immer brav die Originale meiner Musik-CDs im Auto mit mir spazieren gefahren. Spätestens nach der zehnten teuren Original-CD, die entweder durch Einwirkung von Sommerhitze oder durch meinen leider etwas rabiaten CD-Player unwiderbringlich zerstört wurde, habe ich mich eines Besseren besonnen und führe seitdem nur noch Kopien meiner kostbaren CDs mit. Die Originale sind alle zu Hause sicher verwahrt, damit ich bei Bedarf darauf zurückgreifen kann. Abgesehen von ein paar CDs mit ebenso legal wie kostenlos aus dem Internet heruntergeladenen Songs einiger ziemlich exotischer Heavy-Metal-Bands zum Beispiel aus Rußland oder Brasilien habe ich selbstverständlich keine Kopien von Musikstücken im Auto, die ich nicht zuvor völlig legal erworben habe. Dies sei an dieser Stelle sicherheitshalber vorausgeschickt, um besserwisserische Kommentare zum Thema Urheberrecht zu vermeiden.

Nachdem sich im Laufe dieses Sommers wieder einmal einige meiner schon vor Jahren kopierten CDs witterungsbedingt verabschiedet hatten, hatte ich mir schon seit einiger Zeit vorgenommen, diese zu ersetzen. Zu meinem Erstaunen fand ich allerdings weder auf meinem in der Zwischenzeit neu gekauften Laptop noch auf meinem ebenfalls in der Zwischenzeit neu erworbenen Desktop-PC im Software-Menü irgendein Programm, das in der Lage gewesen wäre, Audio-CDs zu kopieren. Und dies, obwohl beide Rechner nicht nur über einen CD-Brenner verfügen, sondern auch als softwaremäßig ab Werk voll ausgestattet angepriesen wurden. Offenbar steht es mit derartigen Versprechungen ähnlich wie mit den Wahlversprechen in der Politik: Wenn es hinterher darauf ankommt, sind sie nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurden.

Auf meinem Laptop fand ich schließlich irgendwo in einer alten Sonic-Installation, die ich offenbar vor Jahren mal mit irgendeinem gekauften Software-Paket miterworben hatte, aber mangels Bedarfs nie benutzt hatte, ein Brennprogramm, das behauptete, CDs kopieren zu können. Dessen Ergebnisse hielten allerdings nicht einmal den geringsten Qualitätsansprüchen stand, denn die damit gebrannte CD strotzte bereits im ersten Track nur so vor ärgerlichen Macken, Pausen und Klickgeräuschen. Auch die anderen vorgefundenen Programme halfen mir nicht weiter: Burn4free kann keine Audio-CDs kopieren, und andere Programme wie zum Beispiel Apple iTunes oder der Windows Media Player können zwar sehr wohl CD-Inhalte als mp3-Dateien importieren und diese evtl. hinterher auch wieder auf CDs brennen, aber zum einen ist das allerspätestens bei mehreren CDs viel zu umständlich und zum anderen geht beim Konvertieren in das mp3-Format einfach zu viel von den Originaldaten verloren.

Selbst ist der User! Also habe ich einige Zeit im Internet nach CD-Brennprogrammen gesucht, die in der Lage sein sollen, Audio-CDs zu kopieren. In einigen Foren fand ich dabei zunächst Hinweise auf ein Programm mit dem schönen Namen feurio!, welches als Shareware zum kostenlosen Testen aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Beim Versuch, es auszuprobieren, erkannte das Programm jedoch meinen CD-Brenner nicht und schien damit zunächst hoffnungslos überfordert zu sein. Es verlangte von mir, einen kompatiblen Brennmodus aus einer ellenlangen Liste mit mir völlig unbekannten Einstellmöglichkeiten für irgendwelche exotischen CD-Writer mit teils völlig kryptischen Namen auszuwählen - eine Aufgabe, die wohl allenfalls ein absoluter Fachmann lösen könnte, während der Durchschnitts-User damit selbstverständlich völlig überfordert wäre. Also habe ich stumpf den ersten, voreingestellten Modus ausgewählt und das Programm trotz diverser Warnmeldungen einfach mal machen lassen.

Im Gegensatz zu dem vorher getesteten, ersten Brennprogramm schien feurio! die CD problemlos kopieren zu können. Die Klangqualität schien auf den ersten Blick exzellent, es gab keine Störungen oder Aussetzer. Beim kompletten Durchhören der CD begann ich mich dann aber nach einiger Zeit etws zu wundern, daß die Track-Anzeige beim zweiten Track stehenblieb, der laut der Anzeige meines CD-Players irgendwie länger und immer länger zu werden schien und tatsächlich den gesamten Rest der CD umfaßte, immerhin mehr als eine Stunde. Nachdem der letzte Ton der CD verklungen war, lief der Track seltsamerweise immer noch weiter. Als sich dann der letzte Ton etwa alle zehn Sekunden zu wiederholen begann und der CD-Player damit gar nicht mehr aufzuhören zu wollen schien, wurde mir schließlich klar, daß ich schon wieder einen CD-Rohling nutzlos verbraten hatte.

Die Tracks 3 bis 11, welche mir der CD-Player immerhin noch anzeigte, konnten gar nicht mehr angespielt werden, das Gerät suchte sich nach dem Inhalt der Tracks einen Wolf. Offenbar hatte feurio! zwar das Inhaltsverzeichnis der CD noch korrekt auf den Silberling geschrieben, sämtliche Inhalte des zweiten bis elften Tracks jedoch in den zweiten Track geschrieben und anschließend den Rest der CD noch etwas verhunzt. Irgendwie machte mir dieses Erlebnis leider wenig Mut, noch irgendwelche weiteren der vom Programm vorgeschlagenen Modi auszuprobieren, zumal ich für diese nirgends irgendeine Dokumentation finden konnte. Daß ich nach diesem Reinfall natürlich keine Lust verspürte, das Programm käuflich zu erwerben, sondern es statt dessen wieder deinstalliert habe, dürfte wohl irgendwie verständlich sein...

In einem anderen Diskussionsforum fand ich anschließend mehrere Hinweise auf ein kostenloses Programm namens Exact Audio Copy, das (wie der Name schon sagt) ebenfalls in der Lage sein sollte, Audio-CDs zu kopieren. Zu meiner Freude erkannte dieses Programm sofort nach der Installation meinen CD-Writer und behauptete, mit diesem Modell auch keinerlei Probleme zu haben. Ich legte also eine zu kopierende Original-CD ein und wählte im Menü die Kopier-Funktion aus. Daraufhin meckerte das Programm, es sei keine beschreibbare CD im Laufwerk. Gut, dachte ich mir, dann lege ich eben eine ein, die Software wird schon wissen, was sie tut. Weit gefehlt! Nach dem Einlegen versuchte Exact Audio Copy längere Zeit (natürlich vergeblich), die Tracks der Original-CD von demm gerade eingelegten Rohling zu lesen. Dann stürzte es mit einer unverständlichen Fehlermeldung ab. Dieses Verhalten war mehrfach reproduzierbar.

Offenbar ist Exact Audio Copy mit Rechnern, die nicht über zwei getrennte Laufwerke zum Lesen und Schreiben von CDs verfügen, hoffnungslos überfordert. Ist ja auch so selten! Schade, daß manche Entwickler nicht über ihre eigene Hardware-Konfiguration hinaus denken können. Einstellen kann man die zu verwendenden Laufwerke leider auch nirgends. Also blieb mir nur eines, nämlich, auch dieses Programm gleich wieder zu deinstallieren. Wobei der mitgelieferte Uninstaller die Software leider ebensowenig rückstandsfrei entfernte wie bei feurio!, denn bei beiden blieben sowohl die Einträge im Startmenü als auch der Programm-Ordner zurück und mußten danach manuell entfernt werden. Von dem mp3-Encocer, den ich mir noch woanders besorgen und händisch dazu installieren (und natürlich auch wieder deinstallieren) mußte, einmal ganz zu schweigen.

Im dritten Versuch gelang es mir schließlich doch noch, ein brauchbares Programm zum Kopieren von CDs zu finden. Es nennt sich CDBurnerXP, kommt offenbar aus Schweden und ist absolut kostenlos. Es erkennt mein CD-Kombi-Laufwerk problemlos und brennt, jedenfalls nach allen meinen bisherigen Versuchen zu urteilen, offenbar vollkommen einwandfreie CDs. Etwas irritiert bin ich allerdings noch angesichts der Tatsache, daß das Programm behauptet, daß die von mir verwendeten Rohlinge von imation angeblich kein Test-Schreiben zulassen würden, womit ich früher mit den selben Rohlingen aus der selben Packung (ich brenne nicht so viele CDs, eine 50er-Spindel hält bei mir ewig und drei Tage) niemals irgendwelche Probleme hatte.

Außerdem wirft es die Original-CD nach dem Einlesen nicht selbsttätig aus, weshalb ich mir nicht so ganz sicher bin, was passiert, wenn man vor dem Einlegen des neuen CD-Rohlings auf "brennen" klickt, und ich möchte dies sicherheitshalber auch lieber nicht ausprobieren. Aber letzten Endes zählt doch nur das Ergebnis, und es ist doch wohl besser, wenn die Software (auch ohne Testschreiben, dafür mit etwas Mitdenken von Benutzerseite) einwandfreie CDs produziert, als wenn trotz multipler nutzloser Gimmicks im Programm, stundenlanger vorgeblicher Tests und Warnungen des Benutzers vor seiner eigenen Dämlichkeit am Ende doch wieder nur unbrauchbare CDs beim Brennen herauskommen. Also werde ich dieses Programm jetzt einfach mal weiter verwenden, und wenn ich noch irgendetwas Neues darüber zu berichten haben sollte, werde ich dies bei passender Gelegenheit auch tun. Und bis dahin können mir alle als angeblich so toll angepriesenen, anderen Brennprogramme mal gestohlen bleiben!

Donnerstag, 24. September 2009, 00:54

Identität in der elektronischen Welt

Als ich am Dienstagmorgen mein Blog aufrief, erlebte ich (wie offensichtlich auch viele andere Blogger) eine böse Überraschung: Statt meiner eigenen Tweets von Twitter wurden die Tweets einer mir völlig unbekannten Person in mein Blog eingebunden. Dabei handelte es sich um einen gewissen Adam Croot aus Essex, der bei Twitter Inhaber des Benutzernamens "undefined" ist. Offenbar hatte das Twitter-Gadged von Blogger eine Fehlfunktion in einem Javascript, das anstelle des korrekten Twitter-Namens des jeweiligen Benutzers den Wert "undefined" zurücklieferte und damit dafür sorgte, daß die Tweets ebendieses Users in tausenden von Blogs angezeigt wurden.

Armer Adam Croot! In den letzten zwei Tagen mußte er eine Flut von Beschwerden über sich ergehen lassen. Anfangs hat er noch versucht, die Sache mit Humor zu nehmen, aber da einige Benutzer seine sarkastischen Kommentare ("It's because I hacked the world!") nicht verstanden haben, dürfte die Sache für ihn mit der Zeit extrem lästig geworden sein. Er konnte ja überhaupt nichts dafür, bekam jedoch zu seinem großen Leidwesen die geballte Frustration der Blogger ab. Vielleicht hätte er allerdings noch etwas mehr Verständnis geerntet, wenn er sich während dieses Zeitraumes in seinen Tweets der Verwendung von Ausdrücken der Fäkalsprache enthalten hätte...

Mittlerweile ist der Schaden offenbar behoben, und die Wogen haben sich einigermaßen gelegt. Allerdings zeigt dieser nervige Vorfall eines ganz deutlich: In der heutigen Online-Welt ist es zunehmend schwierig, seine eigene Identität zu bewahren und sich von anderen abzugrenzen. Tools wie das Twitter-Gadget in Blogger ermöglichen es zwar im Regelfall, seine verschiedenen eigenen Auftritte zu verknüpfen und beisammen zu halten, aber wehe, dabei geht einmal irgendetwas schief! Allzu schnell leidet man dann unter elektronischem Identitätsverlust, und schwupp-die-wupp sieht es für fremde Menschen so aus, als ob man ein ganz Anderer wäre.

Gerade im Zusammenhang mit Online-Durchsuchungen (Schäubles Stasi 2.0), rechtlich völlig unkontrollierten Internet-Sperren (Zensursula), fadenscheinigen Gerichtsurteilen ahnungsloser Juristen über Verantwortlichkeiten für Inhalte im Internet (das berüchtigte "Link-Urteil") sowie dummen, völlig technikfeindlichen Politikern ("Internet-Ausdrucker") könnten die Konsequenzen derartiger Zwischenfälle für eigentlich unbescholtene Bürger fatal sein. Durch technische Probleme fehlerhaft eingebundener Content könnte zur Sperrung von Seiten, zu Strafverfolgungen oder zu einer öffentlichen Ächtung führen, deren Auswirkungen selbst bei erwiesener Unschuld nur schwer wieder rückgängig zu machen sein dürften.

Eine schöne neue Welt ist das, in der sich die elektronische Identität von Menschen teilweise durch eine zufällige, durch anfällige Technik bestimmte Zusammenwürfelung zusammenhangloser, fremder Inhalte zu bestimmen droht! Auf diese Weise droht trotz aller Personalisierung des Netzes, trotz aller (noch!) bestehenden Möglichkeiten zur freien Meinungäußerung ein schleichender Verlust der Identität des Individuums in der elektronischen Welt, den der einzelne Mensch mangels eigener (technischer wie organisatorischer) Eingriffsmöglichkeiten nicht mehr aufzuhalten vermag. Ich finde diese Vorstellung ehrlich gesagt ziemlich erschreckend...

Donnerstag, 17. September 2009, 18:15

Opt Out Day in Bielefeld - eine totale Lachnummer!

Für den heutigen 17. September hatte die Piratenpartei bundesweit zum sogenannten Opt-Out-Day aufgerufen. Dabei geht es darum, bei den örtlichen Meldebehörden der Weitergabe der eigenen personenbezogenen Daten zu widersprechen. Meldebehörden haben das Recht, persönliche Daten, wie zum Beispiel Adresse, Geburtstag, Konfession und Familienstand, an Dritte weiterzureichen, solange man sich nicht selbstständig und ausdrücklich in Schriftform dagegen ausspricht. Und dies sollte heute gemeinschaftlich in Form von konzertierten Aktionen erfolgen.

Für Bielefeld war erst heute Morgen bekanntgegeben worden, daß das Treffen um 17:45 Uhr vor der Bürgerberatung stattfinden sollte. Dieser Zeitpunkt stellte an und für sich bereits einen ziemlich ungeeigneten Termin dar, weil die Bürgerberatung nur bis 18:00 geöffnet hat und in diesem kurzen Zeitraum vermutlich gar keine größere Anzahl von Anträgen mehr hätte entgegennehmen können. Mal ganz abgesehen davon, daß sich um diese Zeit noch ungefähr 40 ganz offensichtlich nicht am Opt-Out-Day beteiligte Personen in der Warteschlange befanden.

Das offiziell angekündigte Treffen erwies sich dann jedoch als pure Lachnummer. Ich war frühzeitig gegen 17:30 Uhr vor der Bürgerberatung. Bis 17:50 Uhr erschien gerade einmal eine einzige weitere Person. Von der Piratenpartei selbst war weit und breit niemand zu sehen. So erzielt man gewiß keine Öffentlichkeitswirkung! Deshalb haben wir angesichts der langen Warteschlange für heute lieber aufgegeben. Ich werde mein Formular dann abgeben, wenn ich irgendwann mal wieder um eine frühere Uhrzeit in der Stadt bin.

Von der örtlichen Piratenpartei bin ich ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht, und ich hoffe sehr, daß das nicht symptomatisch für die Organisationsfähigkeit dieser Partei auf Bundesebene steht. Wie will man eigentlich ein Land mitregieren (denn darum geht es schließlich in der Politik!), wenn man es offenkundig nicht einmal hinbekommt, für eine solche Aktion rechtzeitig einen Termin bekanntzugeben und dort dann auch gemeinsam als Partei in Erscheinung zu treten? Auf diese Weise erzeugt man nur noch zusätzliche Politikverdrossenheit! Ich weiß jetzt jedenfalls gar nicht mehr, wen ich wählen soll. Herzlichen Dank...

Freitag, 4. September 2009, 13:17

Online-Petition: Briefgeheimnis auch für E-Mails!

Auf der Webseite des Deutschen Bundestages kann man jetzt eine Online-Petition unterstützen, in der gefordert wird: Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das Briefgeheimnis auf elektronische Post (E-Mails) ausgeweitet wird.

Die Begründung des ursprünglichen Antragstellers für diese Petition lautet: "Der Briefverkehr wird heutzutage immer mehr durch elektronische Korrespondenzen ersetzt. Der Inhalt dieser Post bleibt dabei unverändert. Daher halte ich es für wünschenswert, dass dem schützenswerten Charakter einer E-Mail genauso Rechnung getragen wird, wie das berechtigterweise bei Briefpost der Fall ist."

Ich finde diese Petition absolut unterstützenswert, weil damit angesichts der immer weiter greifenden Auswüchse des Überwachungsstaates zumindest dem Namen nach der rechtsfreie Raum beseitigt wird, in dem sich elektronische Post skandalöserweise bislang bewegt. Ob sich Polizei und Geheimdienste letzten Endes daran halten oder auch diesen wichtigen Teil des Grundrechtes auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung mit Füßen treten, steht natürlich auf einem anderen Blatt...

Montag, 31. August 2009, 16:53

Internet macht unhöflich

Haben Sie das auch schon einmal erlebt? Sie unterhalten sich gerade ganz angeregt mit jemandem, vielleicht mit einer Person, die Sie kennen oder sogar lieben. Und plötzlich, mitten im Satz, ohne daß Sie irgendetwas gesagt oder getan hätten, was ein solches Verhalten rechtfertigen würde, macht Ihr Gegenüber auf dem Absatz kehrt, sperrt die Ohren zu und knallt ihnen die Tür vor der Nase zu.

Wie bitte? So etwas ist Ihnen noch nicht vorgekommen? Schon gar nicht bei Personen, die sie kennen oder sogar lieben? Nun, dann gehen sie mal ins Internet und versuchen Sie, dort mit anderen Menschen zu kommunizieren. Nutzen Sie ICQ oder verabreden Sie sich mit jemand anderem in irgendeinem Chat, und schon wird die oben beschriebene Erfahrung bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lassen.

In der Internet-Welt nennt sich dieses Verhalten Logoff oder Logout und ist zumeist mit einem einzelnen Mausklick erledigt. Manchmal verschwindet der Gesprächspartner einfach spurlos, einige Chats teilen einem sein Verschwinden wenigstens noch durch eine einheitliche Systemmeldung mit, und die komfortableren Varianten garnieren das virtuelle Türzuschlagen manchmal durch eine vom User voreingestellte, meist relativ nichtssagende Standard-Botschaft wie "bin dann jetzt mal weg" oder "/me beamt sich nach Hause".

Dabei kann das Medium Chat an sich eigentlich gar nicht allzu viel dafür, wenn man einmal davon absieht, daß die verwendete Software in aller Regel die Möglichkeiten dafür zur Verfügung stellt, sich ohne Vorankündigung, ohne ein weiteres Wort und ohne eine Verabschiedung, wie sie im sogenannten "realen" Leben die Höflichkeit gebieten würde, aus einem laufenden Gespräch auszuklinken. Dafür, daß diese Möglichkeiten auch tatsächlich in dieser Art und Weise angewendet werden, sind die Benutzer allerdings selbst verantwortlich.

Und nur allzu viele agieren auf diese Weise. Natürlich ist es einfacher, sich ohne jegliche Form von elementarer Höflichkeit zu verdrücken. Schließlich ist Tippen ja anstrengend (Reden übrigens auch...), und deshalb verfallen immer mehr Benutzer in solche Unsitten. Und zwar nicht nur, wenn man mit irgendwelchen wildfremden Leuten in einem x-beliebigen Chat über irgendwelche völlig nichtssagenden Allerwelts-Themen diskutiert. Sondern zunehmend auch im persönlichen Gespräch mit den engsten Freunden oder sogar mit dem eigenen Partner.

Ein derartiges Verhalten würde in der Realität wohl kaum toleriert und dürfte wohl binnen kürzester Frist zum Verlust der besagten Freunde oder Partner führen. Im Internet hingegen scheint es mittlerweile zum allgemeinen Verhalten dazuzugehören. Offenbar neigen die meisten von leider uns kollektiv dazu, zu vergessen, daß am anderen Ende der Leitung auch ein Mensch sitzt und nicht nur irgendein anonymes Etwas, das zu unserer ganz persönlichen Unterhaltung Zeichen auf einem Bildschirm produziert und beliebig an- oder abgeschaltet werden kann.

Und so behandeln wir über kurz oder lang nicht nur wildfremde Menschen, sondern auch Personen, die wir kennen oder vielleicht sogar lieben, mit gleicher Respektlosigkeit wie irgendwelche namenlosen Dinge aus Computerprogrammen oder wie unsere tausendfach geprügelte Tastatur. Schlagen ihnen virtuell mitten im Satz die Tür vor der Nase zu, ignorieren damit sie selbst, ihre Gefühle und ihre gesamte Persönlichkeit und geben ihnen damit deutlich zu verstehen, wo ihr wahrer Platz als kleine Menschen in unserer modernen, globalisierten, vernetzten und computerisierten Welt ist: Irgendwo hinter dem Ausschalt-Knopf.

Freitag, 28. August 2009, 12:25

Schneckenpost hausgemacht - mit Internet-Postkarten

Hallo allerseits,

schon mal versucht, Postkarten per Internet zu verschicken? Nein, ich meine nicht sogenannte elektronische Postkarten, an deren Stelle man genauso gut auch selbst eine E-Mail mit einem Foto und dem dazugehörigen Text versenden und dabei noch reichlich Zeit sparen könnte. Ich meine den Versand richtiger Postkarten. Man gibt auf der Webseite des Anbieters seinen Text ein, lädt ein Bild hoch, zahlt per Kreditkarte, und mit der nächsten Tageszustellung erhält der angegebene Empfänger eine schicke, individuelle Postkarte und freut sich 'nen Keks.

Soweit die Theorie.

Nachdem ich neulich von meiner Liebsten zu unserem "Halbjährigen" eine derartige Postkarte mit einem Foto von unserer Schweden-Reise bekommen hatte, dachte ich mir, ich könnte diesen Service doch auch einmal ausprobieren. Über Nacht war mir ein schönes Sonett eingefallen, das ich hier allerdings nicht veröffentlichen werde. Dazu habe ich mir ein einigermaßen passendes Motiv aus meiner umfangreichen Sammlung eigener Fotos ausgesucht, Text und Bild im dafür vorgesehenen Formular hochgeladen, per Kreditkarte bezahlt - so weit, so gut.

Dies war am Mittwochmorgen um 08:06 Uhr. Die Zahlung erfolgte laut Micropayment-Anbieter sofort, und bereits um 11:35 Uhr erhielt ich per Mail die Bestätigung, daß meine Karte "soeben produziert und wunschgemäß verschickt" wurde. Mit anderen Worten: sofort. Und dann sollte es selbst in Hinblick auf die Zicken der gelben Schneckenpost doch eigentlich möglich sein, daß eine solche Karte am nächsten Tag mit der Tageszustellung beim Empfänger ankommt. Immerhin traut sich der Herausgeber der "Aktie Gelb" sogar allen Ernstes, damit auf seinen Briefkästen zu werben - sofern denn überhaupt noch welche in der Landschaft herumstehen.

Um jeglichen Irrtum über die Versandmodalitäten auszuschließen, möchte ich an dieser Stelle einmal kurz die diesbezüglichen Angaben des gewählten Online-Postkarten-Versandes zitieren:

6. Wann kommen die Postkarten beim Empfänger an?

Schnellstmögliche Zustellung
Die Deutsche Post benötigt für die Zustellung der Postkarten innerhalb ganz Deutschlands meist nur noch einen einzigen Tag. Postkarten-Bestellungen vor 15:00 Uhr werden am selben Tag gedruckt und jeweils am direkt folgenden Tag beim Empfänger sein. Gedruckt wird täglich ab 15 Uhr außer Samstags, Sonntags und an Feiertagen.

Nun liegt sowohl 08:06 Uhr als auch 11:35 Uhr ganz eindeutig vor der angegebenen magischen Grenze von 15:00 Uhr, und der Mittwoch war auch in dieser Woche weder ein Sonntag noch ein Feiertag, so daß man nach Adam Riese eigentlich erwarten sollte, daß die Karte am nächsten Tag angekommen wäre. Und wenn ich selbst Postkarten in den Briefkasten schmeiße, funktioniert das mit der Zustellung am nächsten Tag eigentlich auch immer ganz wunderbar. Aber dieser professionelle Kartenversender, der schließlich sein Geld damit verdient, hat es anscheinend nicht hinbekommen. Jedenfalls hat die Karte bislang ihr Ziel nicht erreicht, und schon gar nicht mit der nächsten Tageszustellung.

Da die Jungs und Mädels ihre Postkarten laut ihrem eigenen Impressum offenkundig nicht aus Timbuktu oder Hinterkottenhofen versenden, sondern mitten aus Würzburg, einer deutschen Großstadt mit zahlreichen Postfilialen und einem immerhin als "L" eingestuften Briefzentrum der Deutschen Post AG, kann nach menschlichem Ermessen eigentlich nur Schlamperei der Grund dafür sein. Und so etwas macht mich wütend. Vor allem, wenn ich dafür bezahlen muß. Und dabei ist es mir ehrlich gesagt scheißegal, ob die Karte gar nicht erst gedruckt wurde, am Drucker liegengeblieben ist, im Büro vergessen oder entgegen der eigenen Ankündigung zu spät zur Post gebracht wurde. Schlamperei ist Schlamperei!

Ein weiterer Aufreger ist übrigens auch noch die bei diesem Anbieter leider einzig mögliche Zahlunsweise. Egal, ob man per Lastschrift-Einzug vom eigenen Konto oder per Kreditkarte zahlen möchte: Man muß dies über das System eines Micropayment-Anbieters namens "Click and Buy" tun, bei dem man sich zu diesem Zweck natürlich erst einmal aufwendig anmelden muß. Das ist zwar lästig, aber vielleicht noch verständlich, denn schließlich wären die enormen Kreditkaren-Gebühren für den Postkarten-Anbieter sonst kaum tragbar. Und die Services von "Click and Buy" sind ja auch kostenlos - zumindest wird einem das zunächst einmal suggeriert.

Allerdings: Wenn man sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von "Click and Buy" einmal genauer durchliest, wird man schnell stutzig. Da ist im ausgelagerten Preisteil nämlich plötzlich von "monatlichen Wartungsgebühren" in Höhe von einem Euro die Rede. Leider werden diese nirgends erklärt, aber wenn man einmal in den eigentlichen AGB weiterliest, findet man darin eine nette Bestimmung, der zufolge "Click and Buy" dazu berechtigt ist, Gebühren für "inaktive" Konten zu kassieren.

Leider wird auch dieser doch recht schwammige Begriff natürlich nirgends erklärt. Wann ist ein Konto "inaktiv"? Muß ich nach meiner Anmeldung damit rechnen, daß ich regelmäßig zur Kasse gebeten werde, wenn ich den Service nicht ständig nutze? Auch eine längere Internet-Recherche in diversen Diskussionsforen brachte leider keine eindeutige Erklärung. Mit der Konsequenz, daß ich mich (natürlich erst nach erfolgter Abwicklung der Kreditkartenzahlung) augenblicklich bei "Click and Buy" wieder abgemeldet habe, um negative finanzielle Überraschungen zu vermeiden.

Was lernen wir daraus?

Zum einen dürfte es auf die Dauer wohl schneller sein, seine Postkarten selbst auszudrucken und zu verschicken, sofern man denn über einen dafür geeigneten Drucker verfügt. Nur leider gibt es da den kleinen Haken, daß man ein solches Gerät doch üblicherweise viel zu selten nutzen würde und es somit vermutlich das tragische Schicksal meiner letzten drei Farb-Tintenstrahldrucker teilen würde. So gut wie nie benutzt, trockneten diese binnen einiger Monate unwiderbringlich ein und landeten nahezu ungebraucht auf dem Müll. Bis auf den letzten - der steht hier noch auf dem Schreibtisch herum und dient mir derzeit als Ständer für die neulich erhaltene, schicke und individuelle Postkarte.

Zum anderen sollte man entgegen der allgemeinen Gewohnheit der trägen Masse wohl doch besser sorgfältig die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter von Internet-Diensten durchlesen - vor allem, wenn es dabei um die Abwicklung von Zahlungen geht. Denn ansonsten hat man schnell mal blauäugig irgendwelchen Bedingungen zugestimmt, die es so einer Firma erlauben, für nichts und wider nichts irgendwelche überraschenden Geldbeträge abzubuchen. Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser!

Mittwoch, 26. August 2009, 14:24

Expeditionen in die Bloggerwelt

Guten Morgen zusammen!

Ja, ich weiß, es ist nicht mehr Morgen, aber angesichts der Tatsache, daß ich mittlerweile schon seit 6 Uhr morgens mit angeblich idiotensicheren Gadgets kämpfe, aus denen man seinen Blog angeblich mühelos zusammenklicken kann, ist der Tag bisher irgendwie ziemlich komplett an mir vorbeigelaufen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie aufwendig es sein kann, einem simplen Gadget gerecht zu werden, das lediglich regelmäßige Leser eines Blogs anzeigen soll - sofern es hier denn jemals welche geben sollte. Und sich bei anderen Bloggern als regelmäßiger Leser anzumelden kann auch ein Abenteuer für sich sein, jedenfalls, wenn man es sowohl richtig machen als auch den anderen das Blog-Layout nicht zerschießen will.

Andere Gadgets lassen einem gar nicht einmal die Möglichkeit, sie überhaupt in irgendeiner Weise vernünftig zu konfigurieren. Dann muß man sich wohl oder übel mit den Feinheiten des (ziemlich kompliziert gestalteten) HTML auseinandersetzen, in dem die Gadgets gestaltet sind. Und das alles nur, weil irgendwelche Voreinstellungen dafür, welche Schriftart wie aussieht und wo verwendet wird, nicht im Geringsten zueinander passen und deshalb Dinge in einer Art und Weise dargestellt werden, wie man es unter Anwendung gesunden Menschenverstandes sicher niemals erwartet hätte. Oder hätte etwa irgendjemand gedacht, daß der eigene Name rechts im Block über die Konfiguration der "Post-Footer-Schriftart" konfiguriert wird, die also rein dem Namen nach für irgendwelche Dinge vorgesehen wäre, die noch hinter dem Footer der Seite kommen? Nie im Leben!

Und so bleibt einem dann nichts anderes übrig, als sich letzten Endes alles wieder einmal selbst zurechtzufrickeln. Und das dauert. Und dauert. Und dauert. Ich weiß schon, warum ich jegliche Projekte zum Thema Oberflächengestaltung und Web-Frontend konsequent verweigere. In der reinen Theorie sieht auf diesen Gebieten alles immer ganz einfach und logisch aus, aber letzten Endes sieht man sich doch jedes einzelne Mal wieder mit elender Frickelei beschäftigt, die man seinem schlimmsten Feind nicht antun möchte. Weil es selbst um dessen damit verschwendete Lebenszeit schade wäre. Und so gebe ich die Frickelei nun also für heute auf. Wer mit meinem Layout nicht einverstanden ist, der darf gerne Vorschläge von sich geben, muß diese allerdings anschließend auch ausbaden, also überlegt Euch genau, was Ihr in dieser Hinsicht sagt...