"Wir allein entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist." - Elbenbrosche in Edoras, eigenes Foto, 2005
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Dienstag, 28. September 2010, 12:48

Das Märchen vom reichen Apotheker

Heute mußte ich wieder einmal in einem Piraten-Blog die Behauptung lesen, daß die Bundesregierung "den Apothekern reichliche Geldgeschenke gemacht" hätte. Wie üblich wurde diese Behauptung durch keinerlei Quellen belegt - was der Autorin wohl auch schwerfallen dürfte, da sie völlig aus der Luft gegriffen ist. Aber an Apothekern darf man ja schon traditionell ungestraft sein Mütchen kühlen, da sie (im Gegensatz zu Ärzten, Krankenkassen und der Pharma-Industrie) keine ernstzunehmende Lobby haben, die sich gegen derartige Angriffe wehren könnte.

Wann und wo hat die aktuelle Bundesregierung (oder eine ihrer Vorgänger-Regierungen gleich welcher politischen Ausrichtung) denn bitteschön den Apothekern irgendwelche "Geldgeschenke" gemacht? Allein die Vorstellung ist absurd! Durch die Auswirkungen der zahlreichen sogenannten Gesundheitsreformen der letzten Jahrzehnte ist es heute praktisch nicht mehr möglich, eine Apotheke wirtschaftlich zu betreiben. Und auch über Jahrzehnte gut eingeführte Betriebe mit hohem Stammkundenpotential kann man nicht einmal mehr verkaufen, sondern allenfalls nur noch verschenken.

Die einzige Möglichkeit, sich als Apotheker noch über Wasser zu halten, besteht darin, Personal rauszuwerfen, damit für noch mehr Arbeitslose zu sorgen und sich als Inhaber selbst 55 bis 60 Stunden pro Woche hinter den Ladentisch zu stellen. Hinzu kommen noch die aufgrund immer neuer gesetzlicher Bestimmungen immer umfangreicheren Verwaltungstätigkeiten, die natürlich nicht während des täglichen Betriebes erledigt werden können, sondern nach Feierabend erledigt werden müssen.

Dazu kommt die vom Gesetzgeber geförderte neue Konkurrenz durch nationale und internationale Großunternehmen, die zwar alle Vorteile einer großangelegten Logistik und für einen kleinen Mittelständler vollkommen unerschwinglicher Online-Shop-Systeme und Vertriebskanäle nutzen kann, aber im Gegenzug von keiner der für die einzelne kleine Apotheke vor Ort geltenden, belastenden Verpflichtungen betroffen ist. (Beispiel: Bauliche Auflagen für "Beratungszimmer", Labor in jeder Apotheke etc.).

Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Gewinnspannen für die Apotheken sind unter Normalbedingungen bereits extrem knapp bemessen. Sie betragen gerade einmal 3 Prozent, zuzüglich eines preisunabhängigen Festbetrages, der kaum die Lagerkosten deckt. Zum Vergleich: Das Outdoor-Sportgeschäft gegenüber nimmt Artikel mit weniger als 50% Gewinnspanne gar nicht erst auf Lager. Wenn diese geringen Erträge dann auch noch durch immer absurdere Rabattverpflichtungen beschnitten werden, kann wohl kaum von irgendwelchen "Geldgeschenken" die Rede sein.

Verkauft eine Apotheke beispielsweise in einem Jahr 10 Grippeimpfungen, muß den Krankenkassen ein Rabatt für eine Zehnerpackung eingeräumt werden, selbst wenn Rezepte dafür nur über Monate kleckerweise aufgelaufen sind und somit der Kauf und die Einlagerung einer Zehnerpackung betriebswirtschaftlicher Unsinn gewesen wären. Hat man daher zehnmal jeweils eine einzelne Dosis bestellt, frißt der Zwangs-Rabatt für die fiktive Großpackung den erzielten Gewinn mehr als auf. Legt man sich aber eine Zehnerpackung hin und wird davon nur 9 Spritzen los, macht man ebenfalls ein Minus.

Der normale Einzelhandel (z. B. der Discounter-Lebensmittelmarkt an der Ecke) kann solche betriebswirtschaftlichen Risiken durch freie Preisgestaltung mit selbst kalkulierten Spannen abfangen. Eine Apotheke ist durch die staatliche Preisbindung dazu nicht in der Lage. Und dies ist nur eines von zahlreichen Beispielen, die das Führen einer Apotheke heutzutage zu einem betriebswirtschaftlichen Vabanquespiel macht. Wo hier die so oft zitierten "Geldgeschenke" sein sollen, ist mir schleierhaft. Es sei denn, man betrachtet es bereits als Privileg, für seine Arbeit überhaupt noch bezahlt zu werden.

Donnerstag, 21. Januar 2010, 16:14

Mobilität macht einsam

Vermutlich erzähle ich niemandem etwas Neues, wenn ich hier feststelle, daß unsere moderne, "globalisierte", auf Mobilität und Flexibilität (natürlich nur des Arbeitnehmers, nicht des Arbeitgebers) ausgelegte Welt nicht gerade familienfreundlich ist. Bereits vor ungefähr 15 Jahren, also zu Anfang meiner beruflichen Laufbahn, konnte ich dies mit Abscheu in der hauseigenen Zeitung des Arbeitsamtes feststellen. Damals war diese Behörde nicht nur ein Amt, sondern hieß auch noch so, wohingegen sie heute ja mit der Umbenennung in "Agentur" den Schritt in die Moderne offenbar vollständig vollzogen zu haben glaubt und deshalb angesichts veränderter Realitäten nur noch die Hände in den Schoß legt. Aber das ist ein anderes Thema.

In einem langen Artikel befaßte sich das Käseblatt des Arbeitsamtes mit dem Thema Mobilität und damit, was man in diesem Zusammenhang von einem gesellschaftlich tragfähigen Arbeitnehmer erwarten dürfe. Man könnte die Kernaussage des Textes in etwa folgendermaßen zusammenfassen: Mobilität ist in der Wirtschaft das höchste Gut, und wer sich als potentieller Arbeitnehmer diesem nicht bedingungslos unterordnet, ist selber schuld, wenn er keinen Job bekommt, und gehört im Grunde genommen dafür bestraft. Diese Aussage wurde mit zwei gegensätzlichen Beispielen belegt, die ich an dieser Stelle kurz in Erinnerung rufen möchte.

Arbeitnehmer 1 - das Negativbeispiel - hatte in seiner Heimatstadt (irgendwo im Raum Ostfriesland) geheiratet, zwei Kinder in die Welt gesetzt und für seine Familie ein Haus gebaut. Eines Tages verlor er seinen Job, weil die Firma wegglobalisiert wurde. Aufgrund seiner "mangelnden Bereitschaft" zur Mobilität (d. h. entweder das Haus verkaufen und wegziehen oder sich für den größten Teil des Jahres von der Familie trennen) war dieser Mann für das Arbeitsamt nicht vermittelbar. Dieses Verhalten wurde in dem Artikel ziemlich verteufelt und als in der modernen Arbeitswelt nicht mehr tragbar bezeichnet. Irgendwann wurde der Mann dann aber offenbar geläutert, ließ sich vom Amt irgendwo nach Süddeutschland vermitteln und sah seine Familie fortan nur noch bestenfalls jedes zweite Wochenende.

Arbeitnehmer 2 - das Positivbeispiel - stammte auch irgendwo aus dem Norden, lebte seit Jahren in einer festen Beziehung und hatte eigentlich auch vor, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Arbeitslos geworden, ging er sofort auf den Vorschlag ein, beruflich nach Stuttgart zu wechseln. Vom Arbeitsamt wurde dieses mobile Verhalten in den höchsten Tönen gelobt. Irgendwo ganz am Rande wurde meiner Erinnerung nach noch erwähnt, daß seine Partnerschaft diesen Ortswechsel nicht überstanden hat, weil die Frau (sicherlich auch vom Arbeitsamt belobigt) ihren bestehenden Job in Hamburg nicht aufgeben konnte oder wollte. Aber vielleicht haben die beiden ja inzwischen neue Partner gefunden. Jedenfalls bis zum nächsten mobilitätsbedingten Umzug.

Der Zynismus dieser Aussagen des Amtes hat mich damals geärgert und ärgert mich bis heute. Einerseits wird von Politikern aller Parteien immer wieder lauthals behauptet, daß man "die Familien fördern" wolle, weil sich mit derartigen Plattitüden offenbar leicht Wählerstimmen fangen lassen. Andererseits verkündet der Staat in Form seiner Ämter, daß Partnerschaft und Familie zurückzustehen haben und ggf. aufzugeben sind, wenn der von der allmächtigen, "globalisierten" Wirtschaft vorgegebene Mobilitätszwang seinen Vorrang beansprucht. Woraufhin man sich nicht wundern darf, daß heutzutage niemand, der aktiv am Arbeitsleben teilnimmt, noch Kinder in die Welt setzen möchte. In einen derartigen Szenario kann auch die höchste Akademikerinnenwurfprämie nichts mehr helfen.

In der neueren Zeit ist noch hinzugekommen, daß selbst das Aufrechterhalten von Fernbeziehungen vermutlich schon sehr bald nicht mehr mit den Anforderungen der modernen Gesellschaft kompatibel sein wird, da ja das Autofahren und überhaupt jede Form des privaten Individualverkehrs künftig wegen des fortschreitenden Klimawandels nicht mehr hinnehmbar ist. (Geschäftlich ist das natürlich etwas völlig Anderes, im Beruf ist Mobilität natürlich ganz toll und hat selbstverständlich Vorrang vor dem Klima!) Und das einstige Volks-Verkehrsmittel Bahn kann und will sich sowieso bald niemand mehr leisten. Einmal abgesehen davon, daß man abseits der drei oder vier prestigeträchtig ausgebauten Hauptstrecken mit der Bahn kaum mehr in annehmbarer Zeit irgendwo hinkommt.

Ich habe erst kürzlich im Zuge der Bewerbung um verschiedene Projektausschreibungen aus dem In- und Ausland festgestellt, daß es sowohl billiger als auch schneller ist, z. B. vom Ruhrgebiet für die Arbeitswoche mit dem Flugzeug nach London zu pendeln als mit der Bahn nach Nürnberg oder München. Aber das Fliegen ist natürlich ebenfalls unter Umweltgesichtspunkten gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel. (Zumindest, solange es billig ist, denn bei teuren Flügen ist natürlich wieder der Beitrag zum Bruttosozialprodukt und zu den Steuereinnahmen wichtiger als das Klima.) Somit bleibt wohl als einziges gesellschaftlich sanktioniertes Mittel der Kontaktpflege mit dem Partner oder der Partnerin nur noch die Nutzung von Medien wie Telefon oder Internet - aber dabei bloß nichts "Ungehöriges" sagen, schließlich wird man ja zur eigenen "Sicherheit" bestens überwacht!

Denken wir dieses Szenario einmal konsequent weiter, so kann die Schlußfolgerung daraus nur lauten, daß im Sinne der perfekten Anpassung des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin an die Bedingungen der globalisierten Wirtschaft arbeitende Menschen keine Familien oder Partnerschaften mehr haben dürfen. Neben dem Wegfall der zuvor genannten, potentiellen Einschränkungen der Mobilität ergeben sich daraus auch noch weitere Vorteile für die Wirtschaft. Wer keine Familie hat, hat damit automatisch mehr Zeit und kann damit auch mehr leisten. Vor allem kann ein solcher Arbeitnehmer jederzeit reichlich Überstunden machen, ohne daß man sich mit dem lästigen Ballast irgendwelcher völlig antiquierter Rücksichtnahmen auf Kinder oder sonstige Angehörige herumschlagen müßte.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind in einer solchen totalen Leistungsgesellschaft nur dann von Bedeutung, wenn sie meßbare Wertschöpfung generieren. Umgekehrt kann man bestehende zwischenmenschliche Beziehungen in der Leistungsgesellschaft nur mittels Generierung von Wertschöpfung aufrechterhalten. Also beispielsweise mit den bereits erwähnten (natürlich teuren) Reisen oder aber mit der selbstverständlich kostenpflichtigen Nutzung immer weiter hochgezüchteter Kommunikationsmittel - von Internet und Video-Telefon bis hin zu Cybersex-Anzügen und Gedankenübertragung, die gar nicht mehr so weit in das Reich der Science Fiction gehören, wie man gemeinhin bis vor kurzem noch gedacht hätte.

Nun ist aber dem Menschen an sich eine gewisse Tendenz zu sozialen Kontakten und vor allem zu einer Partnerschaft nicht abzusprechen. Und da diese Tatsache durchaus eine nicht zu verachtende wirtschaftliche Komponente darstellt - man denke nur an die Aufwendungen für das Werben um einen potentiellen Partner oder um Geschenke zur Aufrechterhaltung dieser Partnerschaft - lohnt es sich vom rein betriebswirtschaftlichen Standpunkt, auch diesem Phänomen in der globalisierten Mobilitätsgesellschaft in angemessener Weise zu begegnen. Die konsequenteste Möglichkeit hierfür wäre, die Menschen dazu zu bringen, die amerikanische Hire-and-fire-Mentalität einfach auch auf das Privatleben zu übertragen und ständig den Partner zu wechseln.

Natürlich müßten für die Durchsetzung dieses Prinzips entsprechende Anreize und die geeigneten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Zunächst einmal muß die öffentliche Wahrnehmung der Prioritäten des globalisierten Lebens konsequent der gesellschaftlichen Realität angepaßt werden. Das wichtigste Element und somit die Grundlage stellt natürlich die optimale Ausbeutung der Arbeitskraft des Menschen dar. Ausgehend von dieser Prämisse ist dieser zunächst einmal wirksam in möglichst großer Nähe seiner Arbeitsstelle anzusiedeln. Außerdem trägt die Wohnung als unbestreitbar größter ständiger privater Ausgabenfaktor einen erheblichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung bei. Somit ist der Faktor Wohnung als erstes und insbesondere deutlich vor dem Faktor Partnerschaft anzugehen.

Bereits heutzutage ist bei modernen, hochmobilen Menschen ein deutlicher Trend dazu zu beobachten, für die oftmals relativ kurze Dauer ihrer beruflichen Stationen gleich vollmöblierte Wohnungen anzumieten (natürlich zu deutlich höheren Preisen). Diese ebenso interessante wie praktische Entwicklung könnten fortschrittliche Arbeitgeber auch dazu nutzen, durch die Einrichtung speziell angepaßter Wohnungen entweder Büroräume einzusparen oder zumindest die Erbringung einer optimalen Arbeitsleistung durch die Gestaltung der Wohnumstände ihrer "Human Resources" zu gewährleisten. Beispielsweise könnten dadurch unerwünschte Ablenkungen minimiert werden.

Natürlich wäre es auf diese Weise auch möglich, das Risiko von Ausfallzeiten etwa durch Krankheiten oder durch Unfälle beim Sport oder im Zuge anderer unkontrollierbarer Freizeitbeschäftigungen dadurch zu minimieren, daß man dafür sorgt, daß der Mensch aus purer Bequemlichkeit erst gar nicht mehr vor die Tür geht - selbstverständlich mit Ausnahme des täglichen Weges zur Arbeit. Ein volkswirtschaftlich begrüßenswerter Nebeneffekt derartiger Maßnahmen wäre eine deutliche Verringerung von Kosten für die Krankenkassen. Außerdem lassen sich durch das Schaffen einheitlicher Standards für wertschöpfungsoptimiertes Wohnen die Produktionskosten für Möbel, Apparate, Dekor und sonstige Einrichtungsgegenstände deutlich reduzieren, während sich gleichzeitig durch die unbestreitbaren funktionalen Vorteile in der öffentlichen Meinung ein höherer Endverkaufspreis und vor allem höhere Mieten durchsetzen ließen.

Ist dieses Szenario erst einmal geschaffen, kann in einem nächsten Schritt dann das Problem der Partnerschaft angegangen werden. Selbstverständlich sind dabei die hier bereits genannten, ohne Zweifel vorrangigen Umstände zu berücksichtigen. Daß bei einem derartigen optimierten Zuschneiden der Lebensumgebung die Aufrechterhaltung einer etwa schon vor einem berufsbedingten Umzug bestehenden Partnerschaft nicht ins Konzept paßt, dürfte auf der Hand liegen. Wie weiter oben bereits erwähnt, besorgt sich der moderne, globalisierte Mensch am besten an jedem neuen Arbeitsort einen neuen Partner bzw. eine neue Partnerin.

Natürlich muß die neue Partnerin immer zur Wohnungseinrichtung passen. Vor allem, wenn man (wie ausgeführt) stets vollmöblierte und wertschöpfungsgemäß optimierte, moderne Wohnungen mietet. Es wäre ja auch katastrophal, wenn sich beispielsweise die Haarfarbe der Partnerin mit der Farbe der Tapete oder der Ledersessel beißen würde. Das könnte den gesamten Eindruck der vorgegebenen Wohnung ruinieren und somit zu einer ernsthaften Störung des inneren Gleichgewichtes des Arbeitnehmers führen, durch die seine Arbeitsleistung nachhaltig beeinträchtigt werden könnte. Also muß die Einhaltung gewisser Vorgaben selbstverständlich beachtet werden.

An dieser Stelle der Überlegungen tut sich die scheinbar berechtigte Frage auf, ob man - falls man beim Auszug die Wohnung renovieren muß - die dazu passende Partnerin auch gleich mit renovieren müßte? Die Antwort darauf ist jedoch relativ einfach: Bei einer Wohnung, die man weniger als 2 Jahre bezieht, ist man grundsätzlich noch nicht renovierungspflichtig. Da in Zukunft die meisten Arbeitsverhältnisse ohnehin kürzer als 2 Jahre bestehen bleiben werden, entfällt bei einem sofortigen erneuten Umzug nach dem Wechsel in ein anderes Projekt die Renovierungspflicht für die Wohnung und damit natürlich auch für die dazu passend ausgewählte Partnerin.

Wenn man als perfekt globalisierter Mensch also jedes Jahr Job, Wohnung und Partner wechselt, braucht man sich also um nichts mehr zu kümmern. Prima, oder? Natürlich könnte man jetzt die Frage stellen, ob in diesem Zusammenhang die eingangs erwähnte Wertschöpfung, die sich aus dem Faktor Partnerschaft ergibt, noch in gleichem Maße zum Tragen käme, oder ob sich dieser Teil des menschlichen Lebens eventuell unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr lohnen würde. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß diverse Arten von früher üblichen, zwischenmenschlichen Zuwendungen in solchen Partnerschaften nicht mehr länger relevant sein dürften.

Wenn man seine allfälligen Jobwechsel zeitlich halbwegs geschickt plant, kann man sich in derartigen, globalisierten Beziehungen eventuell sogar sämtliche Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke sparen. Dies wäre natürlich ein herber Schlag für die Wirtschaft, der auch durch einen (ggf. künstlich verstärkten) Trend zur Aufwertung der künftig immer häufigeren betrieblichen Ein- und Ausstandsfeiern nicht vollständig kompensiert werden könnte. Diesem Problem könnte man nötigenfalls durch gesetzliche Regelungen entgegenwirken, die beispielsweise die Auflösung einer bestehenden Partnerschaft erst nach mindestens einem gemeinsam absolvierten Weihnachtsfest erlauben, um somit der Wirtschaft einen angemessenen kommerziellen Ausgleich für die eventuellen Ausfälle zu gewährleisten.

Von der volkswirtschaftlichen Seite her betrachtet, läßt sich diesem Szenario noch eine vielversprechende andere Komponente hinzufügen, die zur Generierung zusätzlicher Wertschöpfung erheblichen Ausmaßes führen würde. Wenn künftig sowieso nur die eine Hälfte der Bevölkerung noch arbeitet (woraufhin wir heutzutage ja bereits zusteuern), kann sich der Rest gegen Geld als Partner auf Zeit verdingen. Dies würde neben den zusätzlichen Steuereinnahmen auch erhebliche Erleichterungen bei der Partnersuche mit sich bringen, da diese nunmehr nicht mehr von gänzlich unberechenbaren Faktoren wie Sympathie, Liebe oder einfach nur dem zufälligen Begegnen auf der Straße, sondern von handfesten wirtschaftlichen Faktoren abhängen würde. Und der Wirtschaftszweig der Partnervermittlungen würde ebenfalls einen ungeahnten Auftrieb erleben.

In letzter Konsequenz könnte man dann vielleicht auch eine Art neues Bonus-System zur Mitarbeiter-Motivation einführen: Die Firma bezahlt dem Mitarbeiter den Partner bzw. die Partnerin - selbstverständlich leistungsbezogen. Wer kontinuierlich Bestleistungen erbringt, bekommt als Belohnung einen Luxus-Partner. Selbstverständlich nur, solange auch weiterhin entsprechende Leistungen erbracht werden oder der Mitarbeiter nicht anderweitig unangenehm auffällig wird. Sollte er den Anforderungen des Unternehmens jedoch nicht mehr gerecht werden, kann der zur Verfügung gestellte Partner oder die Partnerin selbstverständlich jederzeit durch ein einfacheres Modell ersetzt werden.

Sollte an dieser Stelle der Einwand vorgebracht werden, daß in einer Gesellschaft, die in einer solchen Weise aufgebaut wäre, die menschlichen Emotionen zu kurz kommen und der Mensch an sich innerlich verkümmern und letzten Endes trotz gekaufter Partner völlig vereinsamen würde, so ist diesem Folgendes entgegenzusetzen: Zum einen sind persönliche Emotionen (im Gegensatz zu kommerziell verwertbaren Massenphänomenen wie der Begeisterung für bestimmte Sportmannschaften, Fernsehstars oder Musik-Idole) kein nennenswerter wirtschaftlicher Faktor und somit für die moderne Gesellschaft weitgehend irrelevant.

Und was die Vereinsamung angeht, so muß der mobile, globalisierte Mensch eben damit klarkommen und sie als Preis für das Privileg begreifen, mit Arbeit Geld verdienen zu dürfen. Derartige emotionale Auswirkungen sind von dem verwendeten Humankapital natürlich billigend in Kauf nehmen und nötigenfalls mit professioneller Hilfe entweder psychologisch oder medikamentös zu behandeln. Selbstverständlich kann dies aber nur gegen eine entsprechende finanzielle Gegenleistung geschehen, die natürlich nur von denjenigen aufgebracht werden kann, deren wirtschaftliches Leistungspotential groß genug ist, um den auf Dauer den Ansprüchen der Wirtschaft zu genügen.

Anderenfalls muß sich der Mensch eben in die große Masse derjenigen einreihen, die sich bei Bedarf von anderen kaufen lassen, also zum Beispiel in den Berufsstand der bezahlten Partner auf Zeit. Wenn er oder sie hierzu nicht in der Lage ist, ist er oder sie für die moderne Gesellschaft nicht brauchbar und hat sich daher umgehend möglichst sozialverträglich selbst aus dem Leben befördern. Allerdings natürlich auf zertifiziert umweltschonende Art und Weise und vor allen Dingen so diskret wie möglich, um die Gesellschaft nicht zu verstören. Außerdem sind möglichst keine auffälligen Spuren zu hinterlassen, und der öffentlichen Ordnung halber ist vorher selbstverständlich eine entsprechende Gebühr an die dafür zuständigen, staatlichen Stellen zu entrichten.

Falls irgendjemand Maßgebliches die vorstehende Zukunftsvision als geeigneten Stoff für einen sehr düsteren Science-Fiction-Film ansehen sollte, bin ich jederzeit gerne bereit, Verhandlungen über die Filmrechte zu führen. Ich kann dieses Szenario bei Bedarf jederzeit auf Spielfilmformat ausbauen. Allen anderen empfehle ich hiermit den Film Rollerball mit James Caan aus dem Jahre 1975, der - ganz im Gegensatz zu seinem actiongeladenen, aber in puncto Sozialkritik vollkommen weichgespülten Remake aus dem Jahre 2002 - einige Auswirkungen der Globalisierung wie die totale Abhängigkeit von einigen großen Konzernen oder die planmäßige Volksverdummung in erschreckender Weise vorausgenommen hat.

Sonntag, 10. Januar 2010, 16:54

Verlorene Münzen - eine unendliche Geschichte?

Vor etwas mehr als vier Monaten hatte ich in einem Beitrag hier in meinem Blog einen Abgesang auf insgesamt acht meiner Geocoins veröffentlicht, welche aus verschiedenen Geocaches verschwunden waren. Wie die meisten meiner Freunde und Bekannten wissen dürften, bin ich seit über drei Jahren dem Geocaching verfallen. Und als Teil dieses Spiels habe ich im Laufe der Zeit auch insgesamt 46 Geocoins auf die Reise geschickt. Von Zeit zu Zeit kommt es allerdings vor, daß so eine Geocoin entweder zusammen mit dem kompletten Geocache, in dem sie sich befindet, das Zeitliche segnet (z. B. wenn ein Lost Place, in dem sich der Cache befindet, abgerissen wird) oder aber (was leider weitaus häufiger ist) von jemandem aus einem Cache gestohlen wird.

Von den acht auf diese Weise verschwundenen Geocoins, denen ich am 2. September hier eine letzte Würdigung verpaßt hatte, gibt es erwartungsgemäß nach wie vor keine Spur. Die nur zwei Tage später als vermißt gemeldete neunte Münze, die aus einem Geocache am Strand von Sylt entwendet worden war, ist jedoch kürzlich entgegen jeder Wahrscheinlichkeit in einem Cache im hessischen Guxhagen an der Fulda wieder aufgetaucht. Möglicherweise hat den Dieb seine Tat irgendwann doch noch gereut, und er hat versucht, die gestohlene Coin auf diese Weise zurückzugeben, ohne dabei seinen Namen preiszugeben. Die Plastikkapsel, in der sich die Coin befindet, scheint ziemlich zerkratzt zu sein, aber die Hauptsache ist, daß die Coin wieder da ist.

Inzwischen sind allerdings mindestens sechs weitere meiner Geocoins verschwunden. Vier davon befanden sich irgendwann einfach nicht mehr in den Caches, in denen sie jemand abgelegt hatte. Eine wurde in dem Cache, in dem sie laut Log eigentlich sein sollte, definitiv niemals abgelegt (es handelt sich nämlich um einen fingernagelgroßen Nano-Cache). Daher muß ich annehmen, daß der letzte Cacher, der die Münze hatte, sie behalten hat. Ein weiteres vielsagendes Indiz für diese Annahme ist, daß er seitdem auf diverse E-Mails von mir nicht reagiert hat. Ein ähnliches Schicksal ist einer anderen Coin widerfahren, deren aktueller Inhaber mir zwar letzten Sommer versprochen hatte, sie schnell wieder freizulassen, dies jedoch nie getan hat und seitdem ebenfalls keine E-Mails mehr beantwortet.

Diesen sechs gestohlenen Geocoins ist dieser Artikel gewidmet. Allerdings befürchte ich, daß auch dies nicht der letzte Beitrag dieser Art sein wird. In dem Augenblick, in dem ich diese Zeilen schreibe, weiß ich bereits von zwei weiteren Geocoins, die sich angeblich nicht mehr in dem Cache befinden, in dem sie sein sollten. Bei diesen warte ich jedoch noch auf die Rückmeldung des Cache Owners oder des nächsten Finders, ob sie sich vielleicht doch noch im jeweiligen Cache befinden und nur übersehen wurden. Darüber hinaus befinden sich noch sechs weitere meiner Geocoins bereits verdächtig lange im Inventar des aktuellen Inhabers, und zumindest bei zweien davon fürchte ich das Schlimmste, wobei alle sechs Personen nicht auf meine E-Mails reagieren. Aber jetzt erst einmal zu den definitiv verschwundenen Coins:

Not All Who Wander Are LostNot All Who Wander Are Lost
Um diese schicke Geocoin tut es mir besonders leid. J. R. R. Tolkien sagte einst: "Not all who wander are lost." Dieses Zitat steht auch auf dieser wunderschön gestalteten Münze, auf der einen Seite in Englisch, auf der anderen in Tengwar, der Schrift, die Tolkien für seine elbischen Sprachen erdachte. Was könnte eine bessere Philosophie für einen Geocacher sein? Für uns liegt die Schönheit in der Jagd, der Suche, dem Wandern. Der wahre Preis ist das, was man entlang des Weges zum Cache findet. Manchmal ist einfach der Weg das Ziel.

Deshalb sollte diese Geocoin Wander-Caches auf allen Kontinenten bereisen und nach dem Besuch aller Erdteile wieder nach Hause zurückkehren. Allzu weit ist sie auf ihrer raumgreifenden Mission allerdings leider nicht gekommen. Nach einem Abstecher durch Dänemark und einer kleinen Rundreise durch Österreich wurde sie Ende September im Snezka Cache auf dem Gipfel der Schneekoppe im Riesengebirge auf der Tschechisch-Polnischen Grenze abgelegt. In den darauffolgenden Tagen wurde sie noch zweimal von Geocachern gesichtet, danach verliert sich ihre Spur. Die Schneekoppe wird neben den Geocachern auch regelmäßig von anderen Leuten besucht, selbst jetzt, mitten im Winter - allerdings offenbar mehr von polnischer Seite aus. Vielleicht bewahrheitet sich hier ja das alte Zitat: "Heute gestohlen, morgen in Polen"...

Lord of the Caches (Fire)Lord of the Caches (Fire)
Auch diese Geocoin hat einen starken Bezug zu J. R. R. Tolkien. Ihr Design wurde deutlich vom "Herrn der Ringe" inspiriert. Anstatt jedoch einfach nur den "Einen Ring" zu imitieren, wurde für die Coin ein völlig eigenständiges Design geschaffen. Die Münzen dieser Serie sind ringförmig und enthalten fünf kleine farbige Steine, die durch ihre Farbe eines der vier Elemente darstellen. Die erste Version der Geocoin hatte fünf grüne Steine, die für das Element Erde standen. Die zweite Version, der diese Geocoin angehört, hat vier rote Steine, die das Element Feuer symbolisieren.

Wie schon von der ersten Serie "Lord of the Caches (Earth)" habe ich auch von der zweiten Serie "Lord of the Caches (Fire)" zwei Geocoins auf die Reise geschickt. Die jetzt verschwundene hatte ursprünglich die Aufgabe, nach Neuseeland zu reisen und dort Geocaches und die Drehorte der Film-Trilogie "Der Herr der Ringe" zu besuchen. Ihre Schwester-Coin sollte Geocaches besuchen, die irgendetwas mit J. R. R. Tolkien zu tun haben, und möglichst auch nach Oxford reisen. Die jetzt verschwundene Coin hatte ein Geocacher bereits netterweise im Travel-Bug-Hotel mitten auf dem Flughafen München abgelegt, von wo aus sie jemand leicht hätte auf eine Reise nach Neuseeland oder zumindest Australien hätte mitnehmen können.

Statt dessen hat sie jedoch irgendein Vollidiot von dort aus mitgenommen und in einen Kleinbahn-Cache irgendwo in der Pampa südöstlich von Verden an der Aller verfrachtet, wo sie postwendend gestohlen wurde - falls er sie nicht sogar gleich selbst behalten hat. Da ungefähr zeitgleich ihre Schwester-Coin, die eigentlich nach England sollte, von jemandem, der anscheinend ebensowenig des Lesens und Denkens mächtig war, nach Australien verschleppt wurde, habe ich die Missionen der beiden Geocoins kurzerhand ausgetauscht. Jetzt reist ersatzweise die Schwester-Coin nach Neuseeland und die verschwundene, falls sie wider Erwarten jemals wieder auftauchen sollte, nach England.

24 hours24 hours
Diese Geocoin zeigt in acht kleinen Piktogrammen den Tagesablauf eines Geocachers von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr, wie ihn wohl jeder Teilnehmer dieses Hobbies kennt: Träumen vom Cachen, Auswahl des zu suchenden Caches, "Auf zum Cache!", "Cache gefunden!", Loggen, Virtueller Cache für zwischendurch, "Auf zum Nacht-Cachen!" und Stöbern im Forum. Die Coin sollte in der richtigen Reihenfolge Caches besuchen, die die Zahlen 0 bis 24 im Namen tragen (als Nummern oder als Zahlwörter in einer beliebigen Sprache). Diese Abfolge sollte die 24 Stunden eines Tages symbolisieren, welche man mit interessanten Hobbies wie dem Geocaching verbringen kann.

Zunächst war diese Geocoin mit ihrer Mission sehr erfolgreich. Ausnahmsweise wurde die auf der Homepage der Coin gestellte Aufgabe von den meisten Findern tatsächlich respektiert. Innerhalb von 14 Monaten schaffte sie es, relativ zügig die Stationen 0 bis 11 zu absolvieren. Dann wurde sie jedoch von einem Geocacher namens geooli69 aus einem Cache zwischen Wismar und Rostock mitgenommen. Bereits die Aussage im Online-Log, daß seine Tochter die Coin am liebsten gar nicht mehr wieder abgeben wolle, gab mir zu denken. Mehr als einen Monat später loggte geooli69 die Coin dann in den Nano-Cache Glanz ist an der kleinsten Hütte in der Nähe von Paderborn ein.

Selbstverständlich paßt eine 1,75 Zoll große Geocoin nicht in einen Nano-Cache von der ungefähren Größe eines Fingernagels. Außerdem haben mir sowohl die nachfolgenden Finder dieses Caches als auch dessen Besitzer übereinstimmend bestätigt, daß darin keine Geocoin vorhanden war und daß sie auch garantiert nicht in den winzigen Cache hineingepaßt hätte. Ich habe danach geooli69 mehrfach angeschrieben und ihm die Gelegenheit dazu gegeben, sich zu der Sache zu äußern und einen eventuellen Fehler zu korrigieren. Da er darauf niemals geantwortet hat, muß ich leider davon ausgehen, daß er meine Geocoin gestohlen (und vielleicht seiner Tochter geschenkt?) hat. Möge den dreisten Dieb der Blitz beim Scheißen treffen!

EURECA GeocoinEURECA Geocoin
Das Schicksal dieser Geocoin ähnelt ziemlich stark dem von "24 hours", aber hier erfolgte der offensichtliche Diebstahl noch eine ganze Nummer dreister. Die Geocoin, deren silberner Mittelteil drehbar gelagert ist und die außerdem im Dunkeln leuchtet, stellt den Satelliten EURECA dar, eines der wenigen Raumfahrzeuge, die als Original in einem Museum erhalten geblieben sind. In Erinnerung an seine Mission sollte meine Geocoin um die Welt reisen und dabei Ausstellungen, Orte und Geocaches besuchen, die mit Raumfahrt oder allgemein mit moderner Technologie zu tun haben.

Nach dem Aussetzen im Geocache Auf den Spuren Alfred Nobels absolvierte die Geocoin innerhalb eines Jahres 8 weitere Stationen im Raum Hamburg sowie 7 im Rhein-Main-Gebiet, ohne daß ihrer Mission dabei sonderlich viel Beachtung geschenkt worden wäre. Im April 2009 verbrachte sie Toronar dankenswerterweise nach Amerika, wo sie noch drei Geocaches in der Nähe von Pensacola in Florida besuchte. Schließlich wurde sie am 26. Juni von jemandem mit dem seltsamen Nickname kittylitterleader aus dem Geocache PKBM (dieses Kürzel steht offenbar für "Perdido Key Beach Mouse", was auch immer das sein mag) entnommen. Dieser Cache scheint sich zwar auf Privatgelände zu befinden, aber angeblich hat dessen Besitzer seiner Verlegung zugestimmt, ohne daß diese Behauptung natürlich in irgendeiner Weise nachprüfbar wäre.

Da sich die EURECA-Coin mehr als sechs Wochen später immer noch im Inventar von "kittylitterleader" befand, habe ich diesen Geocacher über die Geocaching-Homepage angemailt und freundlich darum gebeten, meine Geocoin bei nächster Gelegenheit ihre Reise fortsetzen zu lassen. Fünf Tage später erhielt ich als Antwort eine E-Mail der betreffenden Person namens Christy Edminster mit dem Versprechen, nein, sogar dem Schwur, die Coin so bald wie möglich wieder freizulassen (Zitat: "I'll release it back into the wild soon - I swear!"). Dies ist jedoch bis zum heutigen Tage nicht passiert, obwohl ich in Abständen von etwa sechs Wochen immer wieder in E-Mails darum gebeten habe - auf die allerdings nie mehr eine Antwort kam.

Da "kittylitterleader" sich immer noch regelmäßig bei Geocaching.com einloggt, zum derzeit letzten Mal noch am 3. Januar, gibt es keine Ausrede für dieses Verhalten und keine andere Erklärung, als daß die betreffende Person meine Geocoin behalten will. In meiner letzten E-Mail habe ich ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ich dies als Diebstahl betrachte. Da hierauf (wie mittlerweile üblich) keinerlei Reaktion erfolgte, betrachte ich dies als Bestätigung meiner Vermutung. Leider hat man keine Handhabe, dieses Vergehen zu verfolgen. Auch den Reviewern und sämtlichen sonstigen Leuten bei Geocaching.com scheinen solche Vorfälle völlig egal zu sein. Und so bleibt mir nur eines übrig, nämlich Thor darum zu bitten, sämtliche Geocoin-Diebe mit seinem Hammer zu zerschmettern!

Alles in einemAlles in einem
Diese Standard-Geocoin aus einer offenbar jedes Jahr mit wechselnden Motiven neu aufgelegten Serie hatte ich im Listing mit einer dreisprachigen Beschreibung auf Englisch, Deutsch und Spanisch versehen und sie zu Beginn meiner Spanien-Reise im Mai 2008 in einem netten Geocache am wirklich sehenswerten römischen Aquädukt von Tarragona ausgesetzt. In der Folgezeit kam sie leider irgendwie nie so richtig voran. Innerhalb von etwas mehr als neun Monaten legte sie lediglich 209 Kilometer zurück und besuchte dabei noch sechs weitere Stationen im Hinterland von Barcelona.

Zuletzt wurde sie am 1. März 2009 im Geocache Cabrils # 42 El Rocar etwa auf halber Strecke zwischen Barcelona und Lloret de Mar gesichtet. Angesichts der Tatsache, daß seitdem nicht einmal mehr ein einziges "Discover"-Log erfolgt ist, dürfte sie danach relativ bald daraus verschwunden sein, auch wenn mir dieser Cache nicht gerade zu den meistbesuchten Spaniens zu gehören scheint. Leider war jedoch lange Zeit nichts Näheres über den Verbleib der Coin herauszufinden oder auch nur eine Auskunft darüber zu bekommen, ob sie sich noch im Cache befindet. Erst vor etwa einem Monat, am 6. Dezember, antwortete mir einer der letzten Finder des Caches, daß sich lediglich eine einzige Geocoin darin befand, allerdings leider eine andere. Schade! Wo auch immer sie jetzt ist: Möge sie in Frieden ruhen.

The Sacred (Places) GeocoinThe Sacred (Places) Geocoin
Auch diese kultige Geocoin hatte von mir eine dreisprachige Beschreibung bekommen, bevor ich sie unter etwas unangenehmen Begleitumständen in dem Geocache 6 Reyes y 1 Santo an einem abgelegenen Aussichtspunkt mit einem wundervollen Ausblick über den Escorial westlich von Madrid abgelegt habe. Die Aufgabe dieser Geocoin bestand darin, heilige Plätze aller Religionen besuchen, deren heilige Symbole auf der Coin abgebildet sind. Auf der einen Seite zeigt sie Kreuz, Ankh, Davidsstern, Yin/Yang und ein mir leider unbekanntes, vermutlich hinduistisches Symbol, die allesamt rund um ein großes Pentagramm angeordnet sind. (Es handelt sich dabei um die bei Hindus und Buddhisten heilige Silbe "Om", vielen Dank an Felis Saeva für die Auskunft!) Nachdem sie dieses Ziel für die abgebildeten Religionen erfüllt hätte, wobei natürlich auch der Besuch von Kultstätten anderer Religionen nicht ausgeschlossen gewesen wäre, hätte sie nach Hause zurückkehren sollen.

Im überwiegend erzkatholischen Spanien wurde diese religiöse Anweisung natürlich ausschließlich im christlichen Sinne interpretiert. Außerdem ging die Geocoin bei zwei Events in Burgos und Malaga offenbar durch die Hände des Who's-Who der spanischen Cacherszene. In weniger als 5 Monaten legte sie in nur 6 Etappen immerhin 2.227,4 Kilometer zurück. Am 11. November 2008 wurde sie in dem zumindest während der Sommermonate relativ gut besuchten Geocache Sta. Bárbara in den Bergen westlich von Tarragona und Reus (dem Flughafen von Barcelona) abgelegt. Von dort ist sie dann irgendwann jedoch sang- und klanglos verschwunden. Ende September bestätigte mir auf Nachfrage einer der letzten Finder dieses Caches, daß sich lediglich eine einzige Geocoin darin befand, allerdings leider eine andere. (Warum kommt mir dieser Satz nur so verdammt bekannt vor...?)

Wegen der inzwischen mindestens 14 Diebstähle meiner Coins bin ich mittlerweile dazu übergegangen, neuere Geocoins nur noch unter der Beifügung eines zusätzlichen Beschreibungszettels auf die Reise zu schicken. Ob diese informative Maßnahme allerdings irgendetwas bringen wird, das wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln, angesichts der Tatsache, daß die meisten der Coin-Diebstähle ganz offensichtlich leider von gewissenlosen anderen Geocachern begangen werden - welche eigentlich ja auch so in der Lage sein sollten, eine Geocoin als solche zu identifizieren.

Freitag, 18. Dezember 2009, 22:15

Ein Hoch auf die "lieben" Kollegen!

Menschlichkeit ist heutzutage anscheinend nicht mehr allzu weit verbreitet. Auch und gerade unter Arbeitskollegen nicht. Diese Erkenntnis ist natürlich nichts bahnbrechend Neues, aber im Laufe der letzten Wochen durfte ich dieses leidige Phänomen wieder einmal sehr beispielhaft erleben. Ganz besonders die guten Manieren vergessen darf man offensichtlich gegenüber externen Mitarbeitern, denn die sind ja bekanntlich keine richtigen Menschen. Selbst wenn man sie sich für ziemlich teures Geld ins Haus holt und sie doppelt so viel zum Projekterfolg beitragen wie der durchschnittliche Festangestellte. Da können noch so viele hehre Firmenrichtlinien zum zwischenmenschlichen Umgang in der Teeküche an der Wand hängen. Gelebt werden sie alle nicht, erst recht nicht, wenn die Firmenleitung es nicht vormacht.

Seit Anfang November bin ich nun als externer Mitarbeiter bei einer Firma in Dortmund tätig. Zuerst war davon die Rede, daß man mich bis weit ins kommende Jahr 2010 weiter beschäftigen wolle. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, daß die Auftragslage wohl dafür nicht reicht, so daß ich zu Weihnachten meinen Schreibtisch wieder räumen muß. Nun ja, so etwas kann natürlich immer einmal passieren, damit muß man als Freiberufler in dieser Branche rechnen, und dieses reine Faktum kann, will und werde ich hier auch niemandem negativ ankreiden. Auch wenn man sich das Ganze durchaus etwas früher hätte überlegen können.

Was mich aber einigermaßen wütend macht, ist der Umgang, der mit Externen in dieser Firma gepflegt wird. So bin ich beispielsweise von Anfang an zu keiner Veranstaltung dieser Firma mit eingeladen worden, weder zur allgemeinen Weihnachtsfeier noch zum Abteilungs-Frühstück vor Weihnachten, ja nicht einmal zum Weihnachtsmarkt-Besuch der Abteilung mit gemeinsamem Glühweintrinken, obwohl zumindest dabei sicherlich jeder selbst bezahlt hat und meine Teilnahme ganz bestimmt keine finanzielle Belastung für die Firma dargestellt hätte. Ein näheres Kennenlernen untereinander war also ganz offensichtlich unerwünscht.

Jemand, der sich damit auskennt, sagte mir, daß dies im Fall von Zeitarbeitskräften bzw. Leiharbeitern bei einigen Firmen durchaus gang und gäbe sei. Das mag durchaus so sein, obwohl ich es auch in diesen Fällen für unangebracht halten würde. Aber zum Einen bin ich keine Zeitarbeitskraft und kein Leiharbeiter, und zum Anderen ist es gerade in Bereichen, in denen man hochqualifizierte externe Fachkräfte benötigt und sie sich für gutes Geld zur Unterstützung ins Haus holt, normalerweise nicht üblich, diese dann als Mitarbeiter zweiter Klasse zu behandeln.

Während meines letzten Projektes bei einem großen deutschen Automobilhersteller war es jedenfalls selbstverständlich, daß auch alle externen Arbeitskräfte zu jeder Feier und Veranstaltung mit eingeladen wurden. Aufgrund der vielfältigen Struktur der Abteilungen waren das so viele Termine, daß man sich am Ende sogar gezwungen sah, den einen oder anderen abzusagen. Und dabei sollte man doch eigentlich meinen, daß in einem solchen Großunternehmen insgesamt eine viel unpersönlichere Atmosphäre herrscht als in einem kleinen Software-Haus wie dem, in dem ich jetzt gerade tätig bin.

Wenn es umgekehrt wenigstens eine Gleichbehandlung für alle nicht festangestellten Mitarbeiter gäbe, könnte ich das ja vielleicht noch verstehen. Aber bei dieser Firma werden beispielsweise Studenten, ganz gleich, wie häufig sie überhaupt erscheinen, durchaus mit eingeladen. Nicht eingeladen hingegen waren außer mir eigentlich nur die Putzfrauen. Aber denen wird in dieser Firma sowieso mit herzlich wenig Respekt begegnet. Man versucht sie bestenfalls zu ignorieren, und eine von ihnen war neulich sehr überrascht, daß man mit mir im Gegensatz zu den festangestellten Mitarbeitern tatsächlich reden konnte und nicht wie Luft behandelt wurde.

Wie Luft habe ich mich hier persönlich des Öfteren gefühlt. Es sind die scheinbar kleinen Dinge, die einem in der Summe das Gefühl geben, nicht dazuzugehören und - rein menschlich gesehen - mehr als überflüssig zu sein. Erst nach einigen Tagen kam mal jemand auf die Idee, mich zu fragen, ob ich zum Mittagessen mit in die Kantine des Technologieparks mitkommen wolle, bzw. mir überhaupt von dieser Möglichkeit zu erzählen. Mehrere Male "vergaßen" mich die Kollegen, obwohl ich vorher ausdrücklich gesagt hatte, daß ich mitkommen wollte. Auf jeden anderen wurde vor dem Essengehen gewartet, wie lange auch immer er auf sich warten ließ. Nur wenn ich eben noch mal fix auf die Toilette wollte, konnte ich damit rechnen, den lieben Kollegen zur Kantine hinterherrennen zu dürfen. (Denn wenn man dort als Letzter fertig wurde, drängelten sie wiederum und bewiesen nicht für fünf Cent Geduld.)

Nach immerhin 6 Wochen habe ich jetzt übrigens auch (natürlich nur durch puren Zufall) herausgefunden, daß man hier als Mitarbeiter Mineralwasser umsonst bekommt. Sagt einem ja keiner! Einen Schlüssel für die Eingangstür habe ich ohnehin nicht erhalten, so daß ich immer warten mußte, bis der nächste feste Mitarbeiter nach mir eintraf. Denn im Denken der Festangestellten gibt es hier offenbar keinen Platz dafür, daß jemand keinen Schlüssel haben könnte. Und so öffnet einem auch niemand die Tür, wenn man schellt. Gelegentlich hängen mich hier auch die Festangestellten auf dem Weg aus dem Parkhaus schnellen Schrittes ab und lassen die Tür hinter sich zufallen, obwohl sie mich bereits gesehen haben und genau wissen, daß ich keinen Schlüssel habe.

Dieses ganze Verhalten muß alles noch nicht einmal Absicht sein - dagegen könnte man vielleicht noch administrativ vorgehen, indem man sich an irgendwelche Vorgesetzten wendet. Ich glaube vielmehr, es handelt sich dabei um die selbe Gleichgültigkeit, die heute die meisten Menschen an den Tag legen, wenn es um andere Menschen geht. Es interessiert einfach keinen mehr, was anderen Leuten widerfährt, zumindest solange es sich nicht um Personen handelt, auf die man dauerhaft angewiesen ist oder vor denen man sich schon von Amts wegen in Acht nehmen muß, beispielsweise, weil es sich um den eigenen Chef oder Abteilungsleiter handelt. Die hat hier jedenfalls noch niemand ausgesperrt.

Ein ganz besonders dreistes Beispiel für Mißachtung und Gleichgültigkeit gegenüber den Bedürfnissen anderer durfte ich heute Vormittag erfahren. Nur durch einen dummen Zufall erhielt ich gestern eine Antwort auf eine Antwort auf eine Antwort auf eine Einladung zum Team-Frühstück, das heute stattfinden sollte. Da ich aber zum Einen mittlerweile auch keine große Lust mehr verspürte, drei Tage vor meinem Abgang hier plötzlich noch einen auf "soziale Kontakte" zu machen (das hätte man sich vielleicht mal überlegen sollen, als ich hier angefangen habe!), und außerdem bis Weihnachten noch reichlich zu tun habe (ich sitze hier ohnehin schon als einziger Mitarbeiter jeden Tag mindestens 10 Stunden lang am Rechner), habe ich diesen eigentlich sowieso nicht an mich gerichteten Termin sicherheitshalber lieber abgesagt.

Irgendwann kam dann der Abteilungsleiter herein und teilte meinem (davon ebenfalls ziemlich entgeisterten) Projektleiter und mir mit, daß man das Weihnachts-Frühstück in unserem Büro abzuhalten gedenke, weil dieses der größte Raum auf der Etage sei - ob wir nun wollten oder nicht. Da der Abteilungsleiter bereits gegenüber den Protesten des Projektleiters ziemlich unwirsch den Vorgesetzten heraushängen ließ, wagte ich es gar nicht erst, ebenfalls zu protestieren, und stellte mich zähneknirschend darauf ein, meine Arbeit bei nervigem Weihnachtsmusik-Gedudel und mit zwei Dutzend mampfenden und quasselnden Kollegen im Büro weiterführen zu müssen.

Schließlich brüllt hier immerhin auch sonst schon der Projektleiter ständig stundenlang jemanden lautstark am Telefon an, so daß man sich kaum einmal richtig auf die Arbeit konzentrieren kann. Und immerhin hatte sich nun ebendieser Projektleiter mit ziemlich angefressener Miene in ein anderes Büro zurückgezogen, um statt dessen eben von dort aus jemanden stundenlang am Telefon anzubrüllen (in dessen Haut ich angesichts der Laune des Projektleiters speziell heute nun wirklich nicht hätte stecken mögen). So war zumindest dieser eine Störfaktor ausnahmsweise einmal ausgeschlossen, obwohl das durch die ganzen Kollegen und den lautstarken Stille-Nacht-Heilige-Nacht-Terror natürlich mehr als aufgewogen wurde.

Eine Zeit lang ging mein Vorhaben, trotzdem noch weiterzuarbeiten, wider Erwarten gut. Aber dann raunzte mich der Abteilungsleiter an, ich wolle jetzt hier doch etwa nicht arbeiten, damit würde ich nur den anderen die Feierlaune verderben. Ich erwiderte, es täte mir ja leid, daß ich versuchen müßte, zu arbeiten, um die mir gestellten Aufgaben noch vor meinem Abgang aus dem Unternehmen fertig zu bekommen. Zunächst schien es damit getan zu sein, und ich konnte noch etwas weiterarbeiten. Aber dann meinte er ziemlich barsch: "Das war jetzt übrigens ernst gemeint."

Also mußte ich meinen Platz räumen - der übrigens im Verlaufe der darauf folgenden zwei Stunden von den lieben Kollegen großflächig mit Kaffeeflecken überzogen wurde, aber natürlich dachte niemand auch nur im Traum daran, diese selbst wegzuwischen. In der Zwischenzeit lief ich relativ planlos durch das Haus und fragte mich, ob ich die auf diese Weise verlorene Zeit denn wenigstens bezahlt bekomme - denn schließlich werde ich nach den von mir geleisteten Stunden entlohnt. In Rechnung gestellt habe ich sie jedenfalls. Denn ich sehe ja gar nicht ein, warum ich es zu vertreten haben sollte, wenn man mich vorsätzlich bei meiner Arbeit behindert!

Immerhin gelang es mir während dieser ansonsten ziemlich vertanen Zeit, eine Lösung für unsere massiven Datenbankprobleme der letzten Wochen zu finden: Es stellte sich nämlich heraus, daß zwar alle immer lautstark lamentiert hatten, aber niemand einen so simplen Schritt wie einen Neustart des Servers in Erwägung gezogen hatte. Nicht, daß ich nicht bereits längst darauf hingewiesen gehabt hätte (ich selber darf das ja nicht machen) - aber auch in dieser Hinsicht hat einfach niemand auf mich gehört. Übrigens auch heute nicht, jedenfalls ist bislang immer noch kein Neustart erfolgt, weshalb auch alle anderen Kollegen mit ihrer Arbeit nicht wirklich vorankommen. Ein weiterer typischer Fall dieser unseligen Gleichgültigkeit.

Donnerstag, 15. Oktober 2009, 19:24

Wie, wo, was, weiß OBI - aber verrät es keinem!

Am vergangenen Wochenende habe ich während unserer Suche nach dem Geocache GC1WWH1 "Trau Dich 20 - Altes Zollamt" in Leipzig meinen schönen Schraubenzieher mit den praktischen Wechsel-Bits verloren. Das gute Stück hatte mich über viele Jahre und diverse Umzüge hinweg treu begleitet. Jetzt liegt es auf einem Fahrstuhl, der in seinem Schacht feststeckt und sich wohl nie wieder vom Fleck rühren dürfte.

Heute Nachmittag war ich bei OBI, um einen Ersatz für diesen Verlust zu kaufen. Im Schraubenzieher-Regal in der Werkzeugabteilung gab es jedoch lediglich ein einziges Modell mit Wechsel-Bits. Dieses kostete satte 22,49 € und hatte einen dermaßen klein geratenen Griff, daß vermutlich nicht einmal meine Liebste damit vernünftig arbeiten könnte. Für mich war er jedenfalls deutlich zu klein.

Also habe ich mal einen OBI-Mitarbeiter, der in der Nähe im Schneckentempo mit dem Einräumen eines Regals beschäftigt war, angesprochen, ihm den Schraubenzieher unter die Nase gehalten und gefragt: "Gibt's das auch für Männer?" Der Typ glotzte erst nur ziemlich blöde, aber als ich ihm dann erklärt hatte, daß ich einen Schraubenzieher mit einem größeren Griff suchte, meinte er, nein, das sei leider das einzige Modell mit austauschbaren Bits.

Etwas später fand ich zufälligerweise in einem völlig anderen Regal zwischen Klemmen und diversem anderem metallenen Gedöns einen ganzen Korb voller wunderschöner Schraubenzieher mit einem hinreichend dicken Griff und diversen auswechselbaren Schrauber-Bits. Diese kosteten lediglich 3,29 € und verfügten im Gegensatz zu dem fast sieben Mal so teuren anderen Modell auch noch über einen Teleskop-Magneten z. B. zum Aufheben von heruntergefallenen Schrauben.

Als ich etwas später dem selben OBI-Mitarbeiter anklagend diesen Schraubenzieher vor die Nase gehalten habe, war dieser keineswegs überrascht, sondern antwortete mir glatt: "Ja, aber das ist doch nur Billigware." Ach so, dachte ich bei mir, jetzt wird mir so einiges klar! OBI möchte offensichtlich nur teure Produkte verkaufen, selbst wenn diese den Kunden überhaupt nicht zufrieden stellen, und sogar auf das Risiko hin, daß der Kunde dann woanders kauft.

Wie, wo und was weiß OBI offenbar ganz genau, aber verrät es lieber keinem, sondern gibt sogar (offenbar wissentlich) falsche Auskünfte, um den Kunden abzuzocken. Ich schätze mal - um auf eine ältere OBI-Werbung zurückzukommen - bei Eisen-Karl wäre das nicht passiert! Nur zu schade, daß es in Bielefeld keinen so tollen Fachhändler für Metallwaren wie z. B. Ohlendorf in Braunschweig gibt, sonst hätten mich die orangenen Eichhörnchenwemser zum letzten Mal gesehen...!

Donnerstag, 17. September 2009, 14:12

Was ist eigentlich "geringe Schuld"?

Schon wieder ein interessantes Fundstück zum Thema des merkwürdigen Umganges unserer Rechtsprechung mit dem Thema Gewalt: In der Neuen Westfälischen von heute findet sich ein Artikel unter der Überschrift: Juristin soll eigenes Kind misshandelt haben. Ich denke, die NW wird es mir nicht übelnehmen, wenn ich an dieser Stelle aus diesem Artikel zitiere, damit der Sinn dieses Blog-Eintrages nicht verlorengeht, falls der Text irgendwann einmal im Archiv verschwinden sollte.

"Eigenwillige Erziehungsmethoden soll eine 47-jährige Bielefelder Volljuristin im Laufe des Jahres 2006 bei ihrem damals fünfjährigen Sohn angewandt haben. Weil das Kind keine Erbsen mochte, soll sie ihm beim Essen die Augen verbunden und es mit einer Gabel in die Hand gestochen haben, um es zum Verzehr des ungeliebten Gemüses zu zwingen. Bei einer anderen Gelegenheit soll die Frau [...] ihren Sohn mit einer Fahnenstange geschlagen haben. In zwei weiteren Fällen soll sie den Jungen mit einer Gabel in den Nacken gestochen und mit der Hand heftig gegen die Stirn geschlagen haben.

"Die Vorfälle wurden bekannt, weil der Fünfjährige einer Betreuerin im Kindergarten die durch die Misshandlungen entstandenen Verletzungen zeigte und erzählte, von wem und aus welchem Anlass sie ihm zugefügt worden waren. Von der Kita-Leiterin darauf angesprochen, soll die Mutter die Sachverhalte zugegeben, aber bagatellisiert haben. Die Polizei wurde informiert, die das Kind vernahm. Der Junge soll die Angaben, die er im Kindergarten gemacht hatte, wiederholt haben."

Zum einen frage ich mich natürlich, was eine Mutter dazu treiben kann, ihrem eigenen Kind so etwas anzutun. Für ein derartiges Verhalten gibt es in meinen Augen keine Ausreden. Es scheint ja offenbar nicht so zu sein, als ob der Mutter, vom Kinde bis zur Weißglut genervt, einmalig "die Hand ausgerutscht" wäre. Sondern die in diesem Artikel geschilderten Zwangsmaßnahmen erfüllen schon den Tatbestand der Folter. Wie die NW es ernsthaft wagen kann, so etwas lediglich als "Eigenwillige Erziehungsmethoden" zu bezeichnen, will mir nicht in den Kopf - ich finde diese verharmlosende Formulierung erschreckend!

Noch verstörender ist allerdings, wie die Justiz mit diesem Fall umgegangen ist: ""Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhob Ende 2008 Anklage wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung gegen die Juristin. Vor einer Jugendrichterin fand jetzt in nichtöffentlicher Sitzung die Hauptverhandlung statt. Weil die Angeklagte von ihrem Schweigerecht Gebrauch machte, hätte sich die Notwendigkeit ergeben, den Sohn als Zeugen zu hören."

Warum eigentlich? In dem Artikel ist doch ganz deutlich davon die Rede, daß der Sohn bereits gegenüber der Kindergärtnerin und gegenüber der Polizei ausgesagt hat - und daß die Mutter die Mißhandlungen bereits zugegeben hatte! Wieso die Prozeßordnung es verlangen muß, daß trotz eindeutiger Sachlage nur dann ein Urteil möglich ist, wenn dem Kind wieder und wieder eine Aussage mitsamt dem Hochkommen der damit verbundenen Erinnerungen zugemutet wird, ist mir schleierhaft. Dem Wohl des Kindes sind solche Bestimmungen jedenfalls nicht zuträglich. Und so kam es am Ende, wie es kommen mußte:

""Der Junge befindet sich, wie auch seine drei Geschwister, mittlerweile in einer Dauerpflegefamilie." Warum wohl...?! "Die Pflegemutter und die anderen für das Wohl des Kindes zuständigen Personen waren der Meinung, dass eine Zeugenaussage die positive Entwicklung des Jungen stören würde und versagten ihre Zustimmung zur Vernehmung. Das Verfahren gegen die Mutter wurde daraufhin wegen geringer Schuld eingestellt."

Fazit: In unserem Rechtssystem ist es offenbar nicht möglich, trotz klarer Sachlage jemanden als Gewalttäter zu verurteilen, ohne das Opfer unnötig zu quälen. Und wenn diese Quälerei dem Opfer - das in diesem Fall ja längst ausgesagt hatte! - erspart bleiben soll, führt das dazu, daß die Gewalttat (trotz erfolgten Eingeständnisses, wenn auch nicht gegenüber der Polizei oder dem Gericht - offensichtlich kennt unser Rechtssystem also Zeugen erster und zweiter Klasse) vollkommen ungestraft bleibt.

Der größte Hohn ist allerdings die Begründung für die Einstellung: "geringe Schuld"! Wird die Schuld etwa dadurch geringer, daß dem Opfer die Qual einer erneuten Aussage erspart bleibt? Wird die Schuld etwa dadurch geringer, daß die Täterin die Aussage verweigert? (Denn anderenfalls wäre sie ja vermutlich doch verurteilt worden.) Wird die Schuld etwa dadurch geringer, daß die Angeklagte nicht zu ihren Handlungen steht? Oder verringert sich die Schuld etwa dadurch, daß der Prozeß mangels reißerischer Aussagen nicht spektakulär genug abgelaufen ist?

Aus Sicht der Gerechtigkeit leben wir wirklich in einem armen Land, wenn eine solche Farce eines Prozesses mit einem derart absurden Ausgang möglich ist! Zum Glück dürfte angesichts des biologischen Alters der Angeklagten wenigstens bei ihr persönlich eine Wiederholungsgefahr so gut wie ausgeschlossen sein. Das jetzige Urteil dürfte auf sie anderenfalls wohl kaum eine sonderlich abschreckende Wirkung gehabt haben. Und auf Gewalttäter in anderen Familien wirkt es mit Sicherheit sehr beruhigend: Einfach weitermachen wie gehabt, denn wenn man nur die Schnauze hält, kann einem letzten Endes doch überhaupt nichts passieren.

Mittwoch, 16. September 2009, 21:38

Beutelschneiderei im Bültmannshof

Der Bültmannshof in Bielefeld wirbt zur Zeit mit "bayrischen Wochen". Da ich gerne Schweinshaxe esse, wollte mir meine Mutter heute Abend etwas Gutes tun und mich zum Essen einladen. Auf der sogenannten "bayrischen" Karte steht auch tatsächlich eine "Schweinshaxe vom Grill mit Bayrisch Kraut" für 9,50 Euro. (Draußen auf der Tafel mit den Tagesgerichten steht außerdem auch noch irgendetwas von einer Schweinshaxe für 10,80 Euro.) Wie haben also beide jeweils eine Schweinshaxe bestellt und uns überraschen lassen.

Und diese Überraschung ist dem Bültmannshof auch wirklich gelungen! Was uns letzten Endes serviert wurde, hatte vom Fleischgehalt ungefähr ein Sechstel der Größe einer normalen bayrischen Schweinshaxe und dazu eine fast vollkommen bißfestigkeitsfreie Konsistenz, die man ansonsten nur bei durchgedrehtem Hähnchenfleisch in Fast-Food-Restaurants kennt. Meine Mutter war noch so geistesgegenwärtig, zu fragen, ob das vielleicht eine vollkommen neue Züchtung von Schweinen wäre, aber der Kellner hat sie irgendwie nicht verstanden.

Irgendwann kam dann ein offenbar höhergestellter Mitarbeiter vorbei (oder war das vielleicht sogar der Chef des Hauses?) und erklärte uns naseweis, daß es sich dabei um Spanferkelhaxen handeln würde. Ist ja alles schön und gut, aber meines Erachtens gehört diese wichtige Information doch wohl mit auf die Karte, damit man als Gast nicht fälschlicherweise auf die Idee kommt, daß man zu diesem ohnehin schon stolzen Preis auch wirklich eine richtige Schweinshaxe bekommen würde. Sondern lediglich etwas, das in Bayern bestenfalls als Vorspeisenteller durchgehen würde.

Jedenfalls hat der Bültmannshof etwas geschafft, das ich zuvor noch nie erlebt habe und das wohl in Bayern auch noch nie jemand erlebt haben dürfte: Ich habe eine ganze Schweinshaxe bestellt und das, was ich bekam, vollständig aufgegessen - und habe danach noch Hunger! Um genau zu sein, werde ich mir jetzt erst einmal ein ordentliches Abendessen kochen. Und was den Bültmannshof angeht, so war ich (wie meine Patentante es gemeinhin auszudrücken pflegt) dort heute Abend zweimal: Das erste und das letzte Mal. Denn ich bin nicht gewillt, mir eine derartige Beutelschneiderei noch einmal bieten zu lassen!

14:15

Bloß nicht wehren!

Alle Welt diskutiert gerade den Fall des 50jährigen Geschäftsmannes, der in München vier Kinder vor einem Raubüberfall zu schützen versuchte und seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlen mußte. Politiker aller Parteien instrumentalisieren den Vorfall im Wahlkampf für die seltsamsten Forderungen, meist nach noch mehr nutzlosen Überwachunskameras, für deren Überwachung überhaupt kein Personal vorhanden ist. Außerdem wird angesichts der Tatsache, daß etwa 15 Gaffer dem Mord tatenlos zugesehen haben, immer wieder zu mehr Zivilcourage aufgerufen.

Aber was passiert denn, wenn tatsächlich jemand erfolgreich helfend eingreift, oder wenn sich das Opfer eines brutalen Angriffes mit den ihm gerade zur Verfügung stehenden Mitteln erfolgreich gegen einen Angreifer zur Wehr setzt? Wie der Fall eines Studenten zeigt, der letztes Jahr ebenfalls in München von serbischen Schlägern angegriffen wurde und es wagte, sich zu wehren, entblödet sich in solchen Fällen unsere Justiz nicht, mal eben schnell das Prinzip von Täter und Opfer umzukehren und damit die Gerechtigkeit ad absurdum zu führen.

Weil er den Schläger in Notwehr schwer verletzt hatte, wurde der Student zu drei Jahren und neun Monaten Haft wegen angeblichen "versuchten Totschlags" verurteilt. Das zuständige Schwurgericht sah es in seiner Urteilsbegründung übrigens explizit als straferschwerend an, daß er sich "mehrfach als unschuldiges Opfer dargestellt" habe. Außerdem mußte er an den Täter einen Betrag von 12.500 Euro zahlen und sich bei ihm entschuldigen, was ich persönlich als besonders pervers empfinde.

Hier der vollständige Artikel aus der Münchner tz zur kürzlich erfolgten Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof. Der Tatbestand des "vesuchten Totschlages" wurde dabei allerdings nicht in Frage gestellt. Offenbar ist auch der Bundesgerichtshof der Meinung, daß man sich gegen Angreifer nicht wehren darf, jedenfalls nicht mit wirksamen Mitteln, die den Angriff auch tatsächlich beenden könnten.

Was lernen wir daraus? Bloß nicht wehren! Wer sich gegen Angreifer wehrt, der muß sich hinterher bei diesen entschuldigen, ihnen Geld bezahlen und kommt dafür auch noch in den Knast. Nach der Meinung der Richter läßt man sich also wohl am besten widerstandslos totschlagen! Hauptsache, der ganze Vorfall ist hinterher gestochen scharf auf genügend Überwachungsvideos festgehalten, die man dann anschließend zur besten Sendezeit im Fernsehen senden und politisch ausschlachten kann.

Diese Konsequenz läßt natürlich auch den aktuellen Fall aus München in einem ganz neuen Licht erscheinen. Hätte einer der in den Medien kritisierten Gaffer tatsächlich so viel Zivilcourage bewiesen, dem Opfer beizustehen, und vielleicht einen der Täter dabei verletzt, säße der Helfer jetzt vermutlich im Gefängnis, während die Täter weiter frei herumlaufen und wehrlose Menschen ausrauben könnten. Aber angeblich leben wir ja in einem Rechtsstaat...

Freitag, 4. September 2009, 11:30

Die neunte Münze

Erst vorgestern hatte ich in einem längeren Beitrag den Verlust von acht Geocoins beklagt. Bereits heute ist diese Zahl jedoch nicht mehr aktuell, denn wie ich soeben erfahren habe, wurde am selben Tag eine neunte geklaut. Diesmal wurde sie vermutlich Opfer eines schlecht versteckten Caches, der von Muggeln gefunden und geplündert wurde. Angesichts von Preisen zwischen fünf und zehn Euro für die verschwundenen Coins werden diese Diebstähle mittlerweile ganz schön teuer!

U 69, die lachende KuhU 69, die lachende Kuh
Diese U-Boot-Geocoin war U 69 gewidmet, einem deutschen U-Boot vom Typ VII C aus dem zweiten Weltkrieg. Wie viele U-Boote hatte auch U 69 ein Maskottchen, eine auf den Rumpf des Bootes aufgemalte, lachende Kuh, die dem Logo eines seit 1921 in Frankreich verkauften Schmelzkäses ("La vache qui rit") entlehnt sein dürfte. Der erste Kapitän von U 69, Jost Metzler, veröffentlichte 1958 ein sehr lesenswertes Buch unter dem Titel "U 69, die lachende Kuh". Die Geocoin sollte in friedlicher Absicht Orte besuchen, mit denen U 69 damals während des Krieges in Berührung kam.

Leider kam sie nur bis Sylt und wurde dort von gewissenlosen Dieben aus dem Cache GCNVKR "Nordlicht" gestohlen. Mir soll niemand erzählen, daß diese nicht herausfinden könnten, was sie da eigentlich gestohlen haben, denn auf jeder einzelnen Geocoin stehen die Adresse der Webseite von Geocaching.com und die Nummer, unter der sie dort gefunden und geloggt werden kann. Warum Leute, die sich selbst vermutlich für harmlos und rechtschaffen halten würden, trotzdem immer wieder bei jeder Gelegenheit stehlen müssen wie die Raben, will mir einfach nicht in den Kopf...

Donnerstag, 3. September 2009, 19:06

Der Fluch der Mysterien

Als passionierter Geocacher möchte man natürlich nicht nur immer nur nach von fremden Leuten ausgelegten Caches suchen, sondern auch einmal selbst welche verlegen. Das ist allerdings gar nicht mehr so einfach, weil weite Teile unseres Landes mittlerweile so ziemlich flächendeckend mit Geocaches überzogen sind und man sowohl zu fremden Caches als auch zu sämtlichen Zwischenstationen z. B. von Multi-Caches einen Mindestabstand von 160,9 Metern (entsprechend 0,1 Meilen) einhalten muß.

Bei "traditionellen" Caches ist dieses Abstandhalten im Prinzip nicht weiter schwierig, weil diese sich (mehr oder weniger) exakt an den im Internet angegebenen Koordinaten befinden und man zu diesen relativ leicht einen ausreichenden Abstand halten kann. Schwieriger wird es bei Multi-Caches, da man hier wie gesagt nicht nur die im Listing angegebene Koordinate, sondern auch alle weiteren Stationen kennen und beim Abstandhalten berücksichtigen muß. Im Zweifelsfall kommt man also nicht umhin, sicherheitshalber alle umliegenden Multis zu absolvieren, bevor man selbst einen Cache in einem bestimmten Areal auszulegen versucht. Aber für einen findigen Geocacher mit etwas Zeit und Spürsinn sollte auch dies eigentlich kein Problem sein.

Leider gibt es allerdings noch eine weitere Sorte von Geocaches, die sich einem ganz unvermittelt in den Weg legen können und bei denen man oft genug weder eine Chance hat, vorauszusehen, daß man ihnen räumlich zu nahe kommt, noch, herauszufinden, wo sich eigentlich die Punkte im Gelände befinden, denen es auszuweichen gilt. Dabei handelt es sich um Rätsel-Caches, sogenannte "Mysteries". Hier müssen, bevor man sich überhaupt aus dem heimischen Sessel schwingt, beliebig komplizierte Rätsel gelöst werden, um überhaupt die tatsächlichen Koordinaten herauszubekommen, die es anzusteuern gilt.

Nun gibt es durchaus einfache Mysteries, beispielsweise nach dem Muster "In welchem Jahr ABCD wurde der Erbauer des hier abgebildeten Gebäudes geboren, der Cache liegt bei den Koordinaten..." und diese werden dann direkt aus dem Jahr ABCD ermittelt. Dagegen ist im Prinzip auch überhaupt nichts einzuwenden, denn derartige Aufgaben sollte nun eigentlich wohl jeder lösen können. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad bei Mysteries leider nach oben offen, was gewisse Leute gerade im Raum Bielefeld mit schöner Regelmäßigkeit dazu mißbrauchen, ihre Caches mit schier unlösbaren Rätseln zu versehen.

Ein paar schöne Beispiele für derartige Caches sind die Caches GC174XV "14610", dessen 10 größtenteils megaschwere Fragen meines Wissens inzwischen selbst der Owner des Caches nicht mehr alle beantworten kann, GC18GE4 "Hohe Berge", der extremes Spezialwissen erfordert, mit dem vermutlich selbst gestandene Wissenschaftler der betreffenden Fachdisziplinen hoffnungslos überfordert wären, oder GC1JVXP "Unsichtbare Geheimnisse: Das Gespenst", bei dem man zwar recht schnell auf einen sicherlich richtigen Lösungsansatz kommt, sich mit diesem dann allerdings einer Herausforderung gegenübergestellt sieht, die selbst von der NSA und dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium als unlösbar eingestuft und zertifiziert wurde.

Da bei Mysteries in der Regel im Listing Fake-Koordinaten angegeben werden müssen, die sich in einem Umkreis von bis zu 3 Kilometern um die tatsächlichen Koordinaten befinden dürfen, hat man in relativ dicht mit Caches belegten Gebieten angesichts solcher unlösbarer Rätsel-Caches nur die Wahl, seine eigenen Caches auf Verdacht auszulegen und darauf zu hoffen, daß nicht nach ein bis zwei Tagen die Meldung vom zuständigen Reviewer kommt, daß man irgendeinem Mystery-Cache zu nahe gekommen ist und seinen eigenen Cache bitteschön verlegen soll.

Wohin man ihn verlegen soll, um das Problem zu beheben, wird einem der Reviewer allerdings leider nicht verraten, so daß man seinen Cache im Prinzip beliebig oft verlegen, neue Koordinaten angeben und wieder hoffen und bangen muß, daß man nicht schon wieder irgendwelchen für normale Menschen unfindbaren Dosen zu nahe gekommen ist. Dieser Versuch gleicht natürlich einem blinden Herumstochern im Nebel. Es soll schon vorgekommen sein, daß Geocacher bei derartigen verzweifelten Versuchen, neue Verstecke für ihre eigenen Caches zu finden, rein zufällig auf Dosen gestoßen sind, die sie anderweitig nie im Leben gefunden hätten.

Eine viel häufigere und um so traurigere Konsequenz ist allerdings, daß sich viele Cacher kaum noch trauen, auch nur den Versuch zu unternehmen, selbst aufwendigere Caches zu verlegen. Denn bei einem eigenen Multi hat man mit etwas Pech an jeder einzelnen Station wieder das gleiche Problem und muß dann nicht nur die Stationen selbst so lange immer wieder verlegen, bis endlich alles zusammenpaßt, sondern auch die Hinweise an den Stationen selbst immer wieder anpassen, damit die Suchenden nicht durch veraltete Koordinaten in die Irre geführt werden. Da ist es auf Dauer doch viel einfacher, als neuen Cache nur noch irgendwo eine blöde Filmdose hinter ein Verkehrsschild zu stecken.

Nichts gegen Rätsel an sich, aber solange die Unlösbare-Mystery-Pest weiter um sich greift, wird die Qualität neuer Caches ständig weiter zurückgehen, weil irgendwann niemand mehr Bock auf die eben beschriebene Vorgehensweise haben wird. Weil sie die meisten Cacher chancenlos mit der Aufgabe zurücklassen, herauszufinden, wo man denn überhaupt noch Stationen oder Finaldosen verlegen darf. Und das kann meines Erachtens nicht im Sinne des Spiels sein, das (jedenfalls soweit ich weiß) ja immer noch Geocaching heißt - und nicht Geomystering oder Blindes Koordinaten-Raten.

Mittwoch, 2. September 2009, 19:22

Verlorene Münzen

Wie die meisten meiner Freunde und Bekannten wissen dürften, bin ich seit über drei Jahren dem Geocaching verfallen. Und als Teil dieses Spiels habe ich im Laufe der Zeit auch schon die eine oder andere Geocoin auf die Reise geschickt. 42 Stück, um genau zu sein - während weitere 4 unmittelbar auf ihren Start harren und einige mehr noch gut verpackt im Schrank liegen.

30 von diesen 42 Reisenden befinden sich derzeit noch entweder in Geocaches, in denen sie kürzlich abgelegt wurden, oder in den Händen anderer Geocacher, die sie demnächst wieder in anderen Caches ablegen werden. Bei 2 weiteren haben sich die letzten Cacher, die die Coins eigentlich noch haben müßten, schon eine Weile nicht mehr gerührt, aber dennoch besteht für diese beiden noch Hoffnung, ebenso wie für 2 andere Coins, die bereits seit dem letzten Winter in zwei offenbar recht abgelegenen Caches in Spanien eingeloggt sind, jedoch immerhin noch nicht als vermißt gemeldet wurden.

Die übrigen 8 Geocoins sind jedoch allesamt spurlos verschwunden. Eine wurde mitsamt dem gesamten Lost Place, in dem ich sie in einem Cache versteckt hatte, vom Bagger plattgemacht. Sechs von ihnen wurden aus Geocaches entnommen, ohne dies online zu loggen, wobei allerdings kein Fall einer Total-Plünderung eines Caches dabei war. Vielmehr haben sich offenbar gewissenlose andere Geocacher meine Coins unter den Nagel gerissen. Eine weitere Coin wurde in Frankreich sogar ganz offen von einem Cacher geklaut, denn er hat sich sogar erdreistet, sie aus dem letzten Cache auszuloggen, rückt sie aber seitdem nicht mehr heraus und reagiert auch auf keinerlei E-Mails. Möge diese Zeitgenossen der Blitz beim Scheißen treffen!

Den 8 verschwundenen Geocoins ist dieser Beitrag gewidmet.

Ireland Substitute Traveller (gold)Ireland Substitute Traveller (gold)
Diese Geocoin sollte als Ersatz für mich nach Irland reisen, nachdem ich selbst diese von langer Hand geplante Reise aufgrund meines Fußbruches nicht antreten konnte. Leider kam sie nur bis zum Cache GC1NXM4 "Altes Wehr" in Bielefeld-Schildesche, wo sie Ende Juni gestohlen wurde.

Das Auge der VorsehungDas Auge der Vorsehung
In einer früheren Irrenanstalt bei Neustrelitz ausgesetzt, reiste diese Geocoin immerhin mehr als 600 Kilometer weit über Berlin und Kassel ins Sauerland, bevor sich im Cache GC1P5JW "Hillmicke Cache 1" irgendwo südlich von Olpe ihre Spur verlor.

Kombiniere, Dr. Watson...Kombiniere, Dr. Watson...
Zu Ehren des großen Sherlock Holmes sollte diese Geocoin ausschließlich Mystery-Caches in aller Welt besuchen - je schwieriger, desto besser! Freigelassen wurde sie ursprünglich in den ehemaligen Heilstätten von Beelitz südwestlich von Berlin. Nach einem Aufenthalt im Mystery-Cache GC1CV53 "Magic Eye - Berlin" wurde sie jedoch selbst zum Opfer eines ungelösten Kriminalfalles.

Stein von Rosetta (silber)Stein von Rosetta (silber)
Diese Geocoin sollte die folgenden drei Ziele erreichen: Einen Besuch beim Original-Stein von Rosetta im British Museum, London, England; einen Besuch der überdimensionalen Kopie des Steins von Rosetta auf der Place des Écritures in Figeac, Frankreich, dem Geburtsort von Jean-François Champollion; sowie einen Besuch mindestens einer ägyptologischen Ausstellung in einem anderen europäischen Land als Frankreich oder England. Nach einer Irrfahrt durch Spanien und Belgien verschwand sie aus dem Cache GCWFZ5 "Abbaye de Leffe".

GoliathGoliath
Diese Coin sollte zunächst Regensburg besuchen und vor dem auf ihr abgebildeten Goliath-Haus fotografiert werden. Anschließend sollte sie zwei Jahre lang in der näheren Umgebung von Regensburg von Cache zu Cache reisen und dann zu mir zurückkehren. Ich schickte sie im Lost-Place-Cache GC1BKP6 "LW-Depot" auf die Reise, der jedoch einige Monate später vollständig abgerissen wurde. Auf die zwischenzeitlichen Finder des Caches, von denen sie offenbar niemand mitnehmen wollte, bin ich immer noch ein wenig sauer.

Stein von Rosetta (gold)Stein von Rosetta (gold)
Diese Geocoin hatte exakt die gleiche Aufgabe wie ihre silberne Schwester und ist leider ebenfalls daran gescheitert. Nach Languedoc-Roussillon gereist und dort ausgerechnet von einer Geocacherin aus Ostwestfalen noch einmal vom Fleck bewegt, wurde sie von einem Cacher namens TABANASSE gestohlen, der sie seitdem trotz zahlreicher Aufforderungen per E-Mail nicht wieder herausrückt.

Stadia of World Championship 2006 GeocoinStadia of World Championship 2006 Geocoin
Die Mission dieser WM-2006-Geocoin bestand darin, die WM-Stadien und örtliche Geocaches in allen 12 Austragungsorten der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu besuchen und am jeweiligen Stadion fotografiert zu werden. Köln schaffte sie, in Frankfurt erreichte sie zwar den Stadion-Cache, aber leider wurde dort kein Foto gemacht. München lief wieder besser, aber aus dem Cache GCW4G8 "TB Exchange Zentralstadion" am Stadion in Leipzig wurde sie dann gestohlen, noch bevor jemand dort ein Foto machen konnte. Sauerei!

Land der Dichter und DenkerLand der Dichter und Denker
Diese "German Geocoin" hatte die Aufgabe, jeweils mindestens einen Cache in allen 16 deutschen Bundesländern zu besuchen. Unterwegs sollte sie überall Gedichte, Weisheiten und Aphorismen sammeln. Nach nur einem Gedicht und einem Bundesland (Sachsen-Anhalt) landete sie im offenbar schlecht versteckten Cache GCR5XA "Effi Briest (LPC)", der kurz darauf von Muggeln gefunden wurde. Meine Coin wurde bei dieser Gelegenheit gestohlen, was mir das Buch Effi Briest irgendwie auch nicht sympathischer macht...

Mögen diese acht tapfer durch die Lande gereisten Geocoins in Frieden ruhen! Den dreisten Dieben allerdings wünsche ich von ganzem Herzen alle Strafen aus Hiob 20, Vers 4 bis 29 an den Hals. "Weißt du nicht, dass es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf Erden gewesen sind, dass das Frohlocken der Gottlosen nicht lange währt und die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick? [...] Die Güter, die er verschlungen hat, muss er wieder ausspeien" usw. Besonders gut gefällt mir für dieses elende Diebespack auch die Strafe aus Vers 7, aber den dürft Ihr gerne selber nachlesen...

Montag, 31. August 2009, 16:53

Internet macht unhöflich

Haben Sie das auch schon einmal erlebt? Sie unterhalten sich gerade ganz angeregt mit jemandem, vielleicht mit einer Person, die Sie kennen oder sogar lieben. Und plötzlich, mitten im Satz, ohne daß Sie irgendetwas gesagt oder getan hätten, was ein solches Verhalten rechtfertigen würde, macht Ihr Gegenüber auf dem Absatz kehrt, sperrt die Ohren zu und knallt ihnen die Tür vor der Nase zu.

Wie bitte? So etwas ist Ihnen noch nicht vorgekommen? Schon gar nicht bei Personen, die sie kennen oder sogar lieben? Nun, dann gehen sie mal ins Internet und versuchen Sie, dort mit anderen Menschen zu kommunizieren. Nutzen Sie ICQ oder verabreden Sie sich mit jemand anderem in irgendeinem Chat, und schon wird die oben beschriebene Erfahrung bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lassen.

In der Internet-Welt nennt sich dieses Verhalten Logoff oder Logout und ist zumeist mit einem einzelnen Mausklick erledigt. Manchmal verschwindet der Gesprächspartner einfach spurlos, einige Chats teilen einem sein Verschwinden wenigstens noch durch eine einheitliche Systemmeldung mit, und die komfortableren Varianten garnieren das virtuelle Türzuschlagen manchmal durch eine vom User voreingestellte, meist relativ nichtssagende Standard-Botschaft wie "bin dann jetzt mal weg" oder "/me beamt sich nach Hause".

Dabei kann das Medium Chat an sich eigentlich gar nicht allzu viel dafür, wenn man einmal davon absieht, daß die verwendete Software in aller Regel die Möglichkeiten dafür zur Verfügung stellt, sich ohne Vorankündigung, ohne ein weiteres Wort und ohne eine Verabschiedung, wie sie im sogenannten "realen" Leben die Höflichkeit gebieten würde, aus einem laufenden Gespräch auszuklinken. Dafür, daß diese Möglichkeiten auch tatsächlich in dieser Art und Weise angewendet werden, sind die Benutzer allerdings selbst verantwortlich.

Und nur allzu viele agieren auf diese Weise. Natürlich ist es einfacher, sich ohne jegliche Form von elementarer Höflichkeit zu verdrücken. Schließlich ist Tippen ja anstrengend (Reden übrigens auch...), und deshalb verfallen immer mehr Benutzer in solche Unsitten. Und zwar nicht nur, wenn man mit irgendwelchen wildfremden Leuten in einem x-beliebigen Chat über irgendwelche völlig nichtssagenden Allerwelts-Themen diskutiert. Sondern zunehmend auch im persönlichen Gespräch mit den engsten Freunden oder sogar mit dem eigenen Partner.

Ein derartiges Verhalten würde in der Realität wohl kaum toleriert und dürfte wohl binnen kürzester Frist zum Verlust der besagten Freunde oder Partner führen. Im Internet hingegen scheint es mittlerweile zum allgemeinen Verhalten dazuzugehören. Offenbar neigen die meisten von leider uns kollektiv dazu, zu vergessen, daß am anderen Ende der Leitung auch ein Mensch sitzt und nicht nur irgendein anonymes Etwas, das zu unserer ganz persönlichen Unterhaltung Zeichen auf einem Bildschirm produziert und beliebig an- oder abgeschaltet werden kann.

Und so behandeln wir über kurz oder lang nicht nur wildfremde Menschen, sondern auch Personen, die wir kennen oder vielleicht sogar lieben, mit gleicher Respektlosigkeit wie irgendwelche namenlosen Dinge aus Computerprogrammen oder wie unsere tausendfach geprügelte Tastatur. Schlagen ihnen virtuell mitten im Satz die Tür vor der Nase zu, ignorieren damit sie selbst, ihre Gefühle und ihre gesamte Persönlichkeit und geben ihnen damit deutlich zu verstehen, wo ihr wahrer Platz als kleine Menschen in unserer modernen, globalisierten, vernetzten und computerisierten Welt ist: Irgendwo hinter dem Ausschalt-Knopf.

Freitag, 28. August 2009, 12:25

Schneckenpost hausgemacht - mit Internet-Postkarten

Hallo allerseits,

schon mal versucht, Postkarten per Internet zu verschicken? Nein, ich meine nicht sogenannte elektronische Postkarten, an deren Stelle man genauso gut auch selbst eine E-Mail mit einem Foto und dem dazugehörigen Text versenden und dabei noch reichlich Zeit sparen könnte. Ich meine den Versand richtiger Postkarten. Man gibt auf der Webseite des Anbieters seinen Text ein, lädt ein Bild hoch, zahlt per Kreditkarte, und mit der nächsten Tageszustellung erhält der angegebene Empfänger eine schicke, individuelle Postkarte und freut sich 'nen Keks.

Soweit die Theorie.

Nachdem ich neulich von meiner Liebsten zu unserem "Halbjährigen" eine derartige Postkarte mit einem Foto von unserer Schweden-Reise bekommen hatte, dachte ich mir, ich könnte diesen Service doch auch einmal ausprobieren. Über Nacht war mir ein schönes Sonett eingefallen, das ich hier allerdings nicht veröffentlichen werde. Dazu habe ich mir ein einigermaßen passendes Motiv aus meiner umfangreichen Sammlung eigener Fotos ausgesucht, Text und Bild im dafür vorgesehenen Formular hochgeladen, per Kreditkarte bezahlt - so weit, so gut.

Dies war am Mittwochmorgen um 08:06 Uhr. Die Zahlung erfolgte laut Micropayment-Anbieter sofort, und bereits um 11:35 Uhr erhielt ich per Mail die Bestätigung, daß meine Karte "soeben produziert und wunschgemäß verschickt" wurde. Mit anderen Worten: sofort. Und dann sollte es selbst in Hinblick auf die Zicken der gelben Schneckenpost doch eigentlich möglich sein, daß eine solche Karte am nächsten Tag mit der Tageszustellung beim Empfänger ankommt. Immerhin traut sich der Herausgeber der "Aktie Gelb" sogar allen Ernstes, damit auf seinen Briefkästen zu werben - sofern denn überhaupt noch welche in der Landschaft herumstehen.

Um jeglichen Irrtum über die Versandmodalitäten auszuschließen, möchte ich an dieser Stelle einmal kurz die diesbezüglichen Angaben des gewählten Online-Postkarten-Versandes zitieren:

6. Wann kommen die Postkarten beim Empfänger an?

Schnellstmögliche Zustellung
Die Deutsche Post benötigt für die Zustellung der Postkarten innerhalb ganz Deutschlands meist nur noch einen einzigen Tag. Postkarten-Bestellungen vor 15:00 Uhr werden am selben Tag gedruckt und jeweils am direkt folgenden Tag beim Empfänger sein. Gedruckt wird täglich ab 15 Uhr außer Samstags, Sonntags und an Feiertagen.

Nun liegt sowohl 08:06 Uhr als auch 11:35 Uhr ganz eindeutig vor der angegebenen magischen Grenze von 15:00 Uhr, und der Mittwoch war auch in dieser Woche weder ein Sonntag noch ein Feiertag, so daß man nach Adam Riese eigentlich erwarten sollte, daß die Karte am nächsten Tag angekommen wäre. Und wenn ich selbst Postkarten in den Briefkasten schmeiße, funktioniert das mit der Zustellung am nächsten Tag eigentlich auch immer ganz wunderbar. Aber dieser professionelle Kartenversender, der schließlich sein Geld damit verdient, hat es anscheinend nicht hinbekommen. Jedenfalls hat die Karte bislang ihr Ziel nicht erreicht, und schon gar nicht mit der nächsten Tageszustellung.

Da die Jungs und Mädels ihre Postkarten laut ihrem eigenen Impressum offenkundig nicht aus Timbuktu oder Hinterkottenhofen versenden, sondern mitten aus Würzburg, einer deutschen Großstadt mit zahlreichen Postfilialen und einem immerhin als "L" eingestuften Briefzentrum der Deutschen Post AG, kann nach menschlichem Ermessen eigentlich nur Schlamperei der Grund dafür sein. Und so etwas macht mich wütend. Vor allem, wenn ich dafür bezahlen muß. Und dabei ist es mir ehrlich gesagt scheißegal, ob die Karte gar nicht erst gedruckt wurde, am Drucker liegengeblieben ist, im Büro vergessen oder entgegen der eigenen Ankündigung zu spät zur Post gebracht wurde. Schlamperei ist Schlamperei!

Ein weiterer Aufreger ist übrigens auch noch die bei diesem Anbieter leider einzig mögliche Zahlunsweise. Egal, ob man per Lastschrift-Einzug vom eigenen Konto oder per Kreditkarte zahlen möchte: Man muß dies über das System eines Micropayment-Anbieters namens "Click and Buy" tun, bei dem man sich zu diesem Zweck natürlich erst einmal aufwendig anmelden muß. Das ist zwar lästig, aber vielleicht noch verständlich, denn schließlich wären die enormen Kreditkaren-Gebühren für den Postkarten-Anbieter sonst kaum tragbar. Und die Services von "Click and Buy" sind ja auch kostenlos - zumindest wird einem das zunächst einmal suggeriert.

Allerdings: Wenn man sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von "Click and Buy" einmal genauer durchliest, wird man schnell stutzig. Da ist im ausgelagerten Preisteil nämlich plötzlich von "monatlichen Wartungsgebühren" in Höhe von einem Euro die Rede. Leider werden diese nirgends erklärt, aber wenn man einmal in den eigentlichen AGB weiterliest, findet man darin eine nette Bestimmung, der zufolge "Click and Buy" dazu berechtigt ist, Gebühren für "inaktive" Konten zu kassieren.

Leider wird auch dieser doch recht schwammige Begriff natürlich nirgends erklärt. Wann ist ein Konto "inaktiv"? Muß ich nach meiner Anmeldung damit rechnen, daß ich regelmäßig zur Kasse gebeten werde, wenn ich den Service nicht ständig nutze? Auch eine längere Internet-Recherche in diversen Diskussionsforen brachte leider keine eindeutige Erklärung. Mit der Konsequenz, daß ich mich (natürlich erst nach erfolgter Abwicklung der Kreditkartenzahlung) augenblicklich bei "Click and Buy" wieder abgemeldet habe, um negative finanzielle Überraschungen zu vermeiden.

Was lernen wir daraus?

Zum einen dürfte es auf die Dauer wohl schneller sein, seine Postkarten selbst auszudrucken und zu verschicken, sofern man denn über einen dafür geeigneten Drucker verfügt. Nur leider gibt es da den kleinen Haken, daß man ein solches Gerät doch üblicherweise viel zu selten nutzen würde und es somit vermutlich das tragische Schicksal meiner letzten drei Farb-Tintenstrahldrucker teilen würde. So gut wie nie benutzt, trockneten diese binnen einiger Monate unwiderbringlich ein und landeten nahezu ungebraucht auf dem Müll. Bis auf den letzten - der steht hier noch auf dem Schreibtisch herum und dient mir derzeit als Ständer für die neulich erhaltene, schicke und individuelle Postkarte.

Zum anderen sollte man entgegen der allgemeinen Gewohnheit der trägen Masse wohl doch besser sorgfältig die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter von Internet-Diensten durchlesen - vor allem, wenn es dabei um die Abwicklung von Zahlungen geht. Denn ansonsten hat man schnell mal blauäugig irgendwelchen Bedingungen zugestimmt, die es so einer Firma erlauben, für nichts und wider nichts irgendwelche überraschenden Geldbeträge abzubuchen. Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser!

Mittwoch, 26. August 2009, 14:24

Expeditionen in die Bloggerwelt

Guten Morgen zusammen!

Ja, ich weiß, es ist nicht mehr Morgen, aber angesichts der Tatsache, daß ich mittlerweile schon seit 6 Uhr morgens mit angeblich idiotensicheren Gadgets kämpfe, aus denen man seinen Blog angeblich mühelos zusammenklicken kann, ist der Tag bisher irgendwie ziemlich komplett an mir vorbeigelaufen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie aufwendig es sein kann, einem simplen Gadget gerecht zu werden, das lediglich regelmäßige Leser eines Blogs anzeigen soll - sofern es hier denn jemals welche geben sollte. Und sich bei anderen Bloggern als regelmäßiger Leser anzumelden kann auch ein Abenteuer für sich sein, jedenfalls, wenn man es sowohl richtig machen als auch den anderen das Blog-Layout nicht zerschießen will.

Andere Gadgets lassen einem gar nicht einmal die Möglichkeit, sie überhaupt in irgendeiner Weise vernünftig zu konfigurieren. Dann muß man sich wohl oder übel mit den Feinheiten des (ziemlich kompliziert gestalteten) HTML auseinandersetzen, in dem die Gadgets gestaltet sind. Und das alles nur, weil irgendwelche Voreinstellungen dafür, welche Schriftart wie aussieht und wo verwendet wird, nicht im Geringsten zueinander passen und deshalb Dinge in einer Art und Weise dargestellt werden, wie man es unter Anwendung gesunden Menschenverstandes sicher niemals erwartet hätte. Oder hätte etwa irgendjemand gedacht, daß der eigene Name rechts im Block über die Konfiguration der "Post-Footer-Schriftart" konfiguriert wird, die also rein dem Namen nach für irgendwelche Dinge vorgesehen wäre, die noch hinter dem Footer der Seite kommen? Nie im Leben!

Und so bleibt einem dann nichts anderes übrig, als sich letzten Endes alles wieder einmal selbst zurechtzufrickeln. Und das dauert. Und dauert. Und dauert. Ich weiß schon, warum ich jegliche Projekte zum Thema Oberflächengestaltung und Web-Frontend konsequent verweigere. In der reinen Theorie sieht auf diesen Gebieten alles immer ganz einfach und logisch aus, aber letzten Endes sieht man sich doch jedes einzelne Mal wieder mit elender Frickelei beschäftigt, die man seinem schlimmsten Feind nicht antun möchte. Weil es selbst um dessen damit verschwendete Lebenszeit schade wäre. Und so gebe ich die Frickelei nun also für heute auf. Wer mit meinem Layout nicht einverstanden ist, der darf gerne Vorschläge von sich geben, muß diese allerdings anschließend auch ausbaden, also überlegt Euch genau, was Ihr in dieser Hinsicht sagt...